Als der Verkauf der Washington Post an Amazon-Gründer Jeff Bezos bekannt gegeben war, erklärten die Berichterstatter und Kommentatoren die Bedeutung der Zeitung mit einer sehr alten Story: "Post"-Journalisten hatten einst die Hintergründe der Watergate-Affäre aufgedeckt. Damit ist vieles schon gesagt, was zur Übernahme der Washington Post und insgesamt zur Krise der Zeitungen zu sagen ist. Enthüllungen kommen heute via WikiLeaks.

Die Washington Post ist natürlich nicht nur dank einer vier Jahrzehnte zurückliegenden journalistischen Spitzenleistung wichtig. Vor allem sorgt sie mit einer fairen und umfassenden Berichterstattung ganz unspektakulär für eine informierte Öffentlichkeit in ihrer Region. Doch schafft der Verlag es schon länger nicht mehr, damit Gewinn zu erwirtschaften.

Die Post steht damit nicht allein. Seit etwa 20 Jahren sinken die Auflagen nahezu aller Zeitungen der westlichen Welt. Langsam, aber stetig. Zugleich ist das Durchschnittsalter der zahlenden Leser auf rund 60 Jahre gestiegen und steigt weiter.

Das Problem der Post ist nicht nur die sinkende Auflage – die liegt derzeit im Durchschnitt bei durchaus stattlichen 450.000 Exemplaren. Wie überall sonst bedrohen vor allem rapide sinkende Anzeigenerlöse das Geschäft mit dem bedruckten Papier. Zwar wachsen endlich die Einnahmen aus dem Verkauf journalistischer Produkte im Internet, aber sie machen die Defizite nicht wett.

Der Verlust an Relevanz und an Umsatz macht es dem Medium schwer, das in der modernen Gesellschaft anfangs allein für zwei Funktionen stand. Die Tageszeitung bot das Forum für alle Informationen, die für das bürgerliche Leben nützlich und wichtig waren. Und im Anzeigenteil errichtete sie den Marktplatz für jene, die ökonomische Relevanz in diesem Leben gewinnen wollten. Das war ein gutes Geschäft mit hohen Renditen.

Rund 100 Jahre später heißen die Marktplätze Amazon, Ebay und Craigslist, und die Zeitung ist in Europa und Nordamerika kein Massenmedium mehr. Ihr Kern, die klassische Nachricht, hat kaum noch einen Wert, weil das Publikum ihr kaum noch Bedeutung beimisst.  

Paradoxerweise haben die Verlage selbst alles getan, diesen Wert zu senken. Zum einen verschenkten sie dieselbe Ware, die sie auf Papier gedruckt verkaufen, von teuren Anzeigenplätzen umgeben, im Internet jahrelang an die Leser, um Reichweite zu bekommen. Zugleich vergaben sie dort im Ringen um Marktanteile Werbeplätze lächerlich günstig. Dabei entging es ihnen zunächst, dass sie die Hoheit über die lokalen Kleinanzeigen an Internet-Startups verloren, die alle diese Anzeigen abseits der Nachrichten zu riesigen Märkten vernetzten.