Statt sich mit der aus ihrer Sicht überbordenden Bürokratie herumzuschlagen, wählen die Firmen nämlich eine viel einfachere Lösung. Sie beziehen überhaupt keine Rohstoffe mehr aus dem Kongo – mit negativen Folgen für die lokale Bevölkerung.

Große Bergbaukonzerne sind im Kongo ohnehin nicht aktiv. Viele Minen werden von den Einheimischen unter großen körperlichen Anstrengungen ausgebeutet, allein mit Spitzhacken und Schaufeln. "Es gibt dort keine andere wirtschaftliche Basis", sagt Andreas Manhart, Rohstoffexperte des Öko-Instituts und zweiter Autor der Untersuchung zu Dodd-Frank. "Nur ein wenig kleinbäuerliche Landwirtschaft. Und die kleinen Bergbaubetriebe."

In ihrer Studie beschreiben Manhart und Wachter, wie der handwerkliche Bergbau in den Konfliktprovinzen Nord- und Süd-Kivu zusammenbrach, nachdem der Dodd-Frank Act unterzeichnet war. Zwar lag der Kollaps der Minen nicht nur am neuen Gesetz aus den fernen USA, sondern hatte auch innenpolitische Gründe. Aber Manhart und Wachter sind sicher: Auch der Dodd-Frank Act trug seinen Teil zur Wirtschaftskrise bei, in der viele Menschen ihre Existenzgrundlage verloren.

Wer aber in seiner Existenz bedroht ist, lässt sich womöglich besonders leicht von Milizen anwerben – oder sucht eine Ausflucht in anderen illegalen Aktivitäten, etwa dem Schmuggel. 

"Beschäftigungsmöglichkeiten auch für Milizionäre"

"Transparenz und Nachweispflichten sind wichtig", sagt Andreas Manhart deshalb. "Aber ab einem bestimmten Punkt wird der Aufwand so hoch, dass ein eigentlich gutes Instrument der Politik nicht mehr funktioniert." Die Lehre, die der Öko-Institut-Experte und sein Koautor Wachter daraus ziehen: Vielleicht sind weniger strenge Transparenzregeln doch sinnvoll. Besonders wichtig ist ihnen aber, dass dem Kongo die wenigen wirtschaftlichen Impulse, die von außen kommen, nicht entzogen werden. "Um den Kongo zu befrieden brauche man "Beschäftigungsmöglichkeiten, auch für die Milizionäre", sagt Manhart. "Wovon sollten sie sonst leben? Im Moment erkämpfen sie sich ihren Lohn noch mit der Kalaschnikow."

Manhart und Wachter fordern deshalb, den Handel mit sauberen Rohstoffen aus dem Kongo zu fördern, statt ihn zu erschweren. Im Detail wissen sie zwar noch nicht, wie das funktionieren könnte. "Einen Masterplan haben wir nicht", sagt Wachter. "Aber das Ziel muss sein, den legalen Export von Rohstoffen aus dem Regionen des Kongo zu fördern, in denen kein Konflikt herrscht."

Ansätze dazu gebe es bereits: In Deutschland zertifiziert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Coltan aus unbedenklichen Minen – ein Verfahren, das bislang aber nur für Erze funktioniert, die noch nicht geschmolzen und raffiniert sind. Im Kongo, in der Provinz Katanga, beschafft die Industrieinitiative Solutions for Hope Erze nur aus verantwortlich bewirtschafteten Minen. In Süd-Kivu ist eine ähnliche Initiative entstanden. "Wir sollten solche Projekte stärker fördern", sagt Wachter. "So schaffen wir nach und nach Inseln der Stabilität, die sich langsam ausbreiten können."

Für die Industrie mag ein solches weiches Regelwerk einfacher sein als Dodd-Frank. Aber für die Politik ist die Ausarbeitung wohl komplizierter. Der BDI, der schon lange gegen die strengen Nachweispflichten ist, hofft jetzt auf einen breiten Dialog zwischen Industrie, Entwicklungsorganisationen und der Politik. Die Studie soll ein Auftakt dazu sein, und ein Signal der Gesprächsbereitschaft. Nicht nur, weil das Öko-Institut sie erstellt hat. Mit dem Ökumenischen Netzwerk Zentralafrika war auch eine Gruppe kirchlicher Entwicklungsorganisationen beteiligt.