Es war ein herber Rückschlag, von denen es in den vergangenen zweieinhalb Jahre so viele gegeben hat. Als sich Mitte Juli herausstellte, dass täglich 300 Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik laufen, wussten Japans Fischer sofort, dass ihr Leben fortan noch schwieriger wird. Was würde wohl als Nächstes kommen?
Die Nachricht, dass es in Wahrheit noch größere Mengen sind, die aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi laufen und ihre Rohstoffe im Meer vergiften? Zur Informationspolitik der Betreiberfirma Tepco würde es passen. Immer wieder wurden unbequeme Wahrheiten kleingeredet oder verschwiegen.
Jetzt ist es noch schlimmer gekommen. Shunichi Tanaka, Chef der japanischen Atomregulierungsbehörde, hat vorgeschlagen, einen Teil des Kühlwassers für die Brennstäbe der drei seit März 2011 havarierten Atomreaktoren ins Meer zu leiten. Das sei klüger, als es ins Grundwasser sickern zu lassen, weil es sich so sprichwörtlich besser verflüssigen würde.
Für die krisengebeutelten Fischer der Region ist das ein weiterer Schlag ins Gesicht. Sie fühlen sich im Stich gelassen. "Das können wir Fischer unter keinen Umständen akzeptieren", schrieb die Fischereigenossenschaft JF Zengyoren vergangene Woche in einem Brief an Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi. Jeder weitere Tropfen radioaktiven Wassers im Meer sei nicht akzeptabel.
Umsatz um 90 Prozent gesunken
"Viele Fischer sind durch diese Krise in ihrer Existenz bedroht", sagt Masahi Nishimura von der Vereinigung Japanischer Fischer. Gleichzeitig will er jedoch den Eindruck vermeiden, Fisch aus Japan sei schon jetzt nicht mehr zum Verzehr geeignet. Jeder Fang werde von der Regierung auf Strahlung untersucht, zu hoch belastete Fänge gingen erst gar nicht in den Verkauf, sagt er. Zudem seien die Toleranzwerte nach März 2011 erheblich gesenkt worden. "Wir würden niemals davon abraten, japanischen Fisch zu konsumieren", betont Nishimura. Aber er weiß auch, dass die japanische Fischindustrie einen schweren Rufschaden erlitten hat.
Für die Branche, die noch immer zu den größten der Welt gehört, war das dreifache Desaster aus Erdbeben, Tsunami und dem folgenden Reaktorunfall eine besondere Katastrophe. Mehr als 28.000 Fischerboote gingen verloren und 1.700 kommunale Fischereianlagen wurden zerstört. 319 Häfen, rund ein Zehntel ganz Japans, waren nicht mehr zu gebrauchen. Die Fischervereinigung schätzt den materiellen Schaden in den sieben maßgeblich betroffenen Präfekturen an Japans Ostküste auf insgesamt 1,25 Billionen Yen (rund 9,4 Milliarden Euro).
Im Jahr 2011 sanken die Fischexporte landesweit prompt um 25
Prozent. Sichtlich erholt haben sie sich noch nicht. Vor 2011 waren 203.000
Menschen in der Fischereiindustrie beschäftigt, vielerorts war diese das
ökonomische Rückgrat der Gemeinden, in einigen Orten machte sie bis zu 85
Prozent der Arbeitsplätze aus.
Wie viele Jobs genau verloren gegangen sind, ist nicht sicher. Fest steht aber, dass die Branche im Vergleich mit anderen Wirtschaftssektoren überdurchschnittlich stark betroffen ist und auch noch auf lange Sicht Probleme haben wird.
Es war ein herber Rückschlag, von denen es in den vergangenen zweieinhalb Jahre so viele gegeben hat. Als sich Mitte Juli herausstellte, dass täglich 300 Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik laufen, wussten Japans Fischer sofort, dass ihr Leben fortan noch schwieriger wird. Was würde wohl als Nächstes kommen?
Die Nachricht, dass es in Wahrheit noch größere Mengen sind, die aus den Trümmern des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi laufen und ihre Rohstoffe im Meer vergiften? Zur Informationspolitik der Betreiberfirma Tepco würde es passen. Immer wieder wurden unbequeme Wahrheiten kleingeredet oder verschwiegen.