Die Stadt Oberhausen trennt von Dresden rund 500 Kilometer – und 1,8 Milliarden Euro Schulden. So groß ist der Schuldenberg von Oberhausen mittlerweile, mit 8.000 Euro pro Kopf stand die Stadt in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2011 in der Kreide. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Schuldenlast höher. Dresden hingegen ist eine der wenigen schuldenfreien Kommunen in Deutschland.    

Wer wissen will, wie stark sich die Verschuldung deutscher Kommunen unterscheidet, war bisher auf unvollständige Statistiken angewiesen. ZEIT ONLINE hat nun erstmals die Rohdaten des Deutschen Städtetages ausgewertet und die Pro-Kopf-Verschuldung von Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern errechnet. Die Verteilung unter den 50 ärmsten Kommunen zeigt, wie groß das Ost-West-Gefälle ist: Unter den Top 50 ist nur eine Gemeinde im Osten (siehe Grafik).

Hohe Schulden gibt es vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Dort kämpfen die Kommunen seit Langem mit dem Niedergang ihrer Industrien. Während in anderen Kommunen die Steuereinnahmen sprudeln, hätten sich jene Städte von der Konjunktur abgekoppelt, sagt René Geißler von der Bertelsmann Stiftung. Die Stiftung hat unlängst errechnet, dass alle Gemeinden in Deutschland im Jahr 2011 mit 130 Milliarden Euro verschuldet waren, rund 20 Milliarden mehr als noch vier Jahre zuvor.

Insbesondere die Kassenkredite, eine Art kommunaler Dispo, sind in den vergangenen Jahren gestiegen. "Diese Kredite sind für vorübergehende Liquiditätsengpässe gedacht", sagt Margarete Haberhauer vom Statistikamt Nord. Die finanzschwachen Kommunen würden das Geld jedoch verwenden, um laufende Ausgaben zu decken. Oberhausen hat zum Beispiel fast 1,5 Milliarden Euro an Kassenkrediten aufgenommen. Das entspricht mehr als 80 Prozent der Gesamtverschuldung.