Anwohner des Flughafen Frankfurt/Main müssen auch unzumutbaren Lärm hinnehmen, wenn es keine sicheren und praktikablen Alternativen für den Flugbetrieb gibt. Die Bewohner der Großstadt Offenbach und des Main-Kinzig-Kreises erlitten mit ihren Klagen vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) zwei Niederlagen.

In Offenbach ist die Lärmbelastung auch nach Aussagen des Gericht in weiten Teilen unzumutbar. Allerdings sei das Endanflug-Verfahren sachlich besonders gerechtfertigt, weil damit Flugzeuge gleichzeitig auf verschiedenen Bahnen der Airports sicher landen könnten.

Beim Main-Kinzig-Kreis war strittig, ob Flugzeuge im Landeanflug in niedriger Höhe über das Gemeindegebiet fliegen dürfen. Nach Ansicht der Kläger gibt es keinen Grund, warum die Flieger bereits 50 Kilometer vor der Landung auf 1.200 Meter absinken und auf diesem Niveau weiterfliegen sollen. Die Lärmbelastung halte sich in Grenzen, erklärte der VGH.

Eine Revision wurde in beiden Fällen zwar nicht zugelassen. Die unterlegenen Kläger könnten aber gegen diesen Beschluss Beschwerde einlegen und sich so eventuell doch noch den Weg zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bahnen.

Entzündet hatte sich der Streit 2011 nach der Eröffnung einer neuen Landebahn. Seinerzeit wurden die An- und Abflugrouten geändert. Die klagenden Gemeinden litten seitdem wesentlich mehr unter Lärm.   

Die Flugkorridore werden von Experten der Deutschen Flugsicherung erarbeitet und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung genehmigt. Deshalb richtete sich die Klage gegen die Behörde. Das Amt begrüßte die Entscheidung. "Damit ist ein sicherer und flüssiger Anflug auf den Flughafen gesichert", sagte eine Sprecherin.

Die Expansion des Flughafens ist in Frankfurt und Umgebung wegen der hohen Lärmbelastung für die Anrainer ein Politikum. Seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn nahmen die Proteste noch zu. Daran ändert auch ein Nachtflugverbot nicht viel. Anwohner fürchten eine stetige Zunahme des Lärms, wenn der Flughafen wie geplant eines Tages 88 Millionen Passagiere im Jahr abfertigt. Derzeit sind es 58 Millionen. Größter Kunde ist die Lufthansa.