Wie sollen die Europäer mit den griechischen Schulden umgehen – das ist eine der ungelösten Fragen dieser Krise. Deutschland lehnt aus politischen und rechtlichen Grünen einen echten Schuldenschnitt ab. Auf der anderen Seite ist der Schuldenstand nach Einschätzung der meisten Ökonomen so hoch, dass das Land in nicht mehr tragen kann.

Aus Griechenland kommt nun ein innovativer Vorschlag. Demnach soll die Laufzeit eines Teils der Schulden verlängert werden. Dem Vernehmen nach geht es um jene 52,9 Milliarden an bilateralen Krediten, die im Rahmen des ersten Rettungspakets vergeben wurden. Deren durchschnittliche Laufzeit beträgt im Moment 30 Jahre, sie soll auf 50 Jahre verlängert werden.

Diese Lösung hätte den politischen Charme, dass sie rein rechtlich nicht als Schuldenschnitt gelten würde. Ökonomisch würde es sich aber um einen solchen handeln. Denn einerseits würden die Griechen entlastet: Sie müssten sich für die kommenden 50 Jahre weniger Sorgen um ihre Finanzierung machen und in 50 Jahren wäre ein großer Teil der Verbindlichkeiten alleine schon durch die Inflation entwertet. Anderseits ist es für die Euro-Staaten mit Kosten verbunden, wenn sie ihr Geld ja später zurückerhalten. So entgehen ihnen zum Beispiel Zinszahlungen, die sie erhalten würden, wenn sie das Geld anderweitig anlegen würden. Für den Fall, dass sie den Griechen das Geld borgen müssen, müssen sie selbst zusätzliche Zinszahlungen leisten.

Ein Schuldenschnitt, der keiner ist

Technisch gesprochen reduziert sich durch die Laufzeitverlängerung aus Sicht der Gläubiger der Barwert ihrer Forderungen. Um die Veränderung des Barwerts berechnen zu können, müssen einige Annahmen getroffen werden – unter anderem über das Zinsniveau. David Benček und Henning Klodt vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel haben für die Zeit nun mögliche Barwertveränderungen ausgerechnet. Wenn die Zinsen in Griechenland nach dem Ende der Laufzeit wieder so hoch sind wie im Rest Europas, kostet der sanfte Schuldenschnitt die Europäer 7,5 Milliarden Euro. Für den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass das Zinsniveau zwei Prozentpunkte über dem europäischen liegt, erhöhen sich die Barwertverluste auf 13,5 Milliarden Euro.

Dies wären die tatsächlichen Kosten der Maßnahme aus Sicht der Europäer. Die Gläubigerländer haben sich mit dem Vorschlag noch nicht befasst, deshalb ist unklar, ob er so umgesetzt wird. Allerdings hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Griechen für das kommende Jahr Schuldenerleichterungen im Aussicht gestellt. Dabei war immer auch von Laufzeitverlängerungen die Rede.

Klaus Regling, der Chef des Rettungsfonds ESM hat jüngst ebenfalls darauf hingewiesen, dass die hohen Schulden der Griechen durch niedrige Zinsen und lange Laufzeiten tragfähig gemacht werden könnten.