Wer Garrelt Duin dieser Tage zuhört, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Braunkohle sei kein Dinosaurier, verkündet der SPD-Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen. Und natürlich müsse man auch in Zukunft auf diesen heimischen Rohstoff setzen.

Wie kann das sein? Da verfolgt Deutschland eine Energiewende, der sich auch Nordrhein-Westfalen verschrieben hat. NRW hat sogar ein Klimaschutzministerium und als erstes Land ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, das verbindliche CO2-Einsparziele festlegt. Bis 2020 will Nordrhein-Westfalen seine CO2-Emissionen um ein Viertel reduzieren. Ein ehrgeiziges Ziel, schließlich ist das Bundesland für ein Drittel der deutschen Klimagasemissionen verantwortlich.

Fest steht aber: Mit Strom aus Kohle ist dieses Ziel in keinem Fall zu erreichen. Nordrhein-Westfallen muss sich endlich den Tatsachen stellen und sich von der Kohle verabschieden. RWE tut dies bereits – aus einem ökonomischen Zwang heraus.

Fossile, unflexible Kraftwerke sind in der Energiewende kaum zu gebrauchen. Sicher, auch das Ökostromangebot muss sich viel stärker an die Nachfrage anpassen. Aber vor allem braucht es flexible Kapazitäten wie Gaskraftwerke, die kurzfristig zugeschaltet werden können, wenn die Sonne mal nicht scheint und der Wind nicht weht. Von denen besitzt RWE-Konkurrent E.On einige, nicht aber der RWE-Konzern. Der produziert noch immer 40 Prozent seines Stroms mit Kohlemeilern.

Wenn nun SPD-Mann Duin die Kohle verteidigt und gar de facto in einem Nebensatz den Einspeisevorrang für Ökostrom in Frage stellt, so mag das vielleicht RWE erfreuen und die vielen Menschen, die in dieser Industrie noch einen Arbeitsplatz finden.

NRW kommt Schlüsselrolle zu

Doch dieses kurzfristige Schielen nach dem Wähler ist langfristig fatal. Braunkohle ist einer der klimaschädlichsten Energieträger überhaupt. Viel zu lange hat RWE dies ignoriert und an ihr festgehalten. Als Wind- und Solarstromkraftwerke in Deutschland boomten, setzte RWE unverdrossen auf Kohle und Atomkraft. Unvergesslich der ehemalige Vorstandschef Jürgen Großmann, der wie kein anderer für die Fossilen und die Atomkraft polterte.

Gerade NRW kommt für den Erfolg der Energiewende eine Schlüsselrolle zu. Es ist Deutschlands wichtigstes Energieland, nirgendwo sonst gibt es mehr Kraftwerke, nirgendwo sonst mehr energieintensive Industrie. Wenn hier die Transformation gelingt, klappt es auch in ganz Deutschland.

Bereits unter Schwarz-Gelb wurde die Energiewende mehr schlecht als recht umgesetzt und gemanagt. Mit der SPD an der Seite der Union könnte es, nimmt man die Aussagen von Duin ernst, noch schwieriger werden. Die SPD steht vor einer Zerreißprobe. Will sie die Energiewende zum Erfolg führen, muss sie sich von der Kohle verabschieden und mit einer Jahrhunderte alten Tradition brechen. Was vor 50 Jahren sozialdemokratisch war, ist es heute längst nicht mehr.