Das US-Finanzministerium hat Deutschland wegen seiner Exportabhängigkeit getadelt. Die deutsche Ausfuhrstärke schade der Stabilität in Europa und auch der globalen Wirtschaft, hieß es im halbjährlichen Währungsbericht des Ministeriums. Deutschland sollte sich mehr darauf fokussieren, das Inlandswachstum anzukurbeln und Europa zu festigen, forderte das Ministerium.

Das Ergebnis der deutschen Exportpolitik seien deflationäre Tendenzen im Euroraum und in der gesamten Welt, bemängelte die US-Regierung. Die deutschen Netto-Exporte von Gütern, Dienstleistungen und Kapital hätten die Ausfuhren aus China 2012 übertroffen. In früheren Berichten hatten die USA häufig die Volksrepublik China wegen ihrer Währungspolitik gerügt.

Das Ministerium kritisierte weiter, der EU-Überwachungsprozess zu den wirtschaftlichen Ungleichgewichten in Europa schenke Ländern mit großen und dauerhaften Überschüssen wie Deutschland nicht genügend Aufmerksamkeit.  

Das Wall Street Journal kommentierte, das Ministerium sei ungewöhnlich scharf in seinen Äußerungen gewesen. Bereits der Internationale Währungsfonds habe Deutschland immer wieder dazu aufgefordert, seine Binnennachfrage zu stärken.

Lob und Tadel aus Deutschland

Seitens der Bundesregierung weist man solche Kritik zurück. Vorschläge, Deutschland solle beim Export auf die Bremse treten, könne er "auf gar keiner Weise nachvollziehen", sagte Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter am Rande der Koalitionsverhandlungen. "Wahr ist, dass wir auf europäischer und auf globaler Ebene darauf drängen, dass diejenigen Staaten, die Ungleichgewichte beklagen, durch ein Mehr an Wettbewerbsfähigkeit einen Beitrag dazu leisten, dass die Euro-Zone insgesamt wettbewerbsfähiger ist und die weltwirtschaftliche Entwicklung insgesamt positiver läuft."

Der SPD-Politiker Hubertus Heil griff die Mahnung aus Washington dankbar auf und forderte ebenfalls mehr Wachstumsimpulse aus dem Inland heraus. "Die Aufgabe, die wir national wahrnehmen müssen, ist die Binnennachfrage zu stärken", sagte er. Das bedeute auch eine angemessene Lohnentwicklung. Zudem müsse für mehr Investitionen im Inland gesorgt werden. Das ändere aber nichts daran, dass man eine hohe Wettbewerbsfähigkeit für deutsche Produkte und Dienste halten wolle und müsse, um in der Welt erfolgreich zu sein.