Mag sein, dass Kritiker Danièle Nouy als Quotenfrau abtun werden. Schließlich hatte das Europäische Parlament gefordert, mit der Besetzung des Leitungspostens der neuen europäischen Bankenaufsicht endlich die Männerdomäne der EZB-Führungsgremien aufzubrechen. Andere mögen lästern, die Französin sei das Trostpflaster für die Franzosen, weil Finanzminister Pierre Moscovici Anfang des Jahres nicht Chef der Euro-Gruppe wurde und gegen den Niederländer Jeroen Dijssebloem den Kürzeren zog.  

Nouy wird solche Kommentare selbstbewusst überhören. Dass der EZB-Rat ein Leichtgewicht nominiert hätte, um ab Herbst nächsten Jahres die 130 größten Banken der Euro-Zone zu kontrollieren, wird niemand behaupten wollen. Die 62-Jährige leitet seit 2010 die französische Bankenaufsicht. Die Banker stünden vor ihr stramm, heißt es. Ein Kollege beschreibt sie als streng, anspruchsvoll und wenig kompromissbereit: "Sie ist davon überzeugt, dass Regulierung wichtig ist, und sie schwört auf die Kontrolle vor Ort, in den Banken. Alle dort fürchten sie".   

Am Mittwoch nächster Woche soll Nouy vor dem Wirtschafs- und Währungsausschuss des Europaparlaments Rede und Antwort stehen. Doch diese Anhörung gilt lediglich als Formalie auf dem Weg zu ihrer endgültigen Bestätigung. Anfang November hatte die EZB zwar noch den Niederländer Jan Sijbrand als möglichen Anwärter ins Spiel gebracht. Er dürfte jedoch nicht mehr sein als ein Zählkandidat.  

Die Bankenaufsicht soll ihre Arbeit im November 2014 aufnehmen. Sie ist ein wichtiger Baustein für die geplante Bankenunion. Hunderte zusätzliche Mitarbeiter sollen die Banken der Euro-Zone direkt überwachen. So soll künftig verhindert werden, dass in einem Finanzinstitut faule Kredite unentdeckt bleiben und andere Banken im In- und Ausland gefährden. Zudem sollen die Steuerzahler nicht mehr für Bankenpleiten aufkommen müssen, wie dies in der Vergangenheit etwa mit der Hypo Real Estate in Deutschland oder Dexia in Frankreich und Belgien der Fall war. Um mögliche Kapitallücken aufzudecken, müssen die Bilanzen der größten Banken vorab einen Stresstest überstehen. 

"Die Aufsicht bei der EZB anzusiedeln, ist effizienter und gibt ihr mehr Macht, als dies mit der Schaffung einer neuen Behörde der Fall wäre", ist Nouy überzeugt. "Die Nähe zur Zentralbank ist sogar ein wirklicher Vorteil, weil dadurch Informationen und Fachwissen ausgetauscht werden können. Der einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus wird die Währungsunion ergänzen und stärker machen." 

Sorgen der deutschen Bundesbanker, dass eine strikte Trennung zwischen den geldpolitischen und den bankenaufsichtlichen Aufgaben der EZB künftig nur noch schwer möglich seien, treiben Nouy nicht um. "Das liegt vielleicht daran, dass mich die Erfahrung mit dem französischen System beeinflusst hat. Dort ist die Bankenaufsicht seit Langem bei der Zentralbank angesiedelt. Und seit drei Jahren übrigens auch die Aufsicht über die Versicherungen."   

Das solle aber nicht bedeuten, dass die Einwände ihrer Kollegen nicht beachtet werden sollten, fügt sie versöhnlich hinzu. Umstritten ist immer noch, ob für den geplanten gemeinsamen Abwicklungsmechanismus für angeschlagene Banken etwa eine Änderung der EU-Verträge notwendig ist.