Anfang der Woche kam eine E-Mail von David Cameron. "Lieber John F.", stand da, "letzten Monat habe ich Ihnen geschrieben, um Ihnen von der jüngsten Regierungsinitiative der Konservativen zu berichten, dem Kaufbeihilfeprogramm." Hart arbeitende Menschen seien aus dem Immobilienmarkt getrieben worden. "Durch eine direkte Unterstützung bei der Anzahlung geben wir vielen Menschen die Chance auf eine Hypothek, damit sie in ihr Traumhaus einziehen können."

Die E-Mail geht noch weiter. Der Premierminister erklärt detailliert, wie erfolgreich das Programm schon im ersten Monat gewesen sei und bittet dann um Spenden für die Partei. Unterschrieben ist mit "Ihr David Cameron". Am Ende also doch keine Mail von "Dave", wie er im Zirkel seiner Freunde und Vertrauten heißt, sondern nur ein Rundbrief an alle Briten und Nicht-Briten, deren E-Mail-Adressen in der Parteikartei gelandet sind.

Zwölf Milliarden Pfund, also umgerechnet rund 14,3 Milliarden Euro, will die Regierung für das Immobilienprogramm in die Hand nehmen. Natürlich ist das Wahlkampf. Zwar ist die nächste Wahl erst im Mai 2015, aber in den dreieinhalb Amtsjahren der Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten war der Staat so pleite, dass die Regierung einfach kein Geld übrig hatte, um ihren Stammwählern die harten Sparmaßnahmen zu versüßen. Jetzt haben sie ein milliardenschweres Bonbon gefunden, das die Situation auf dem Wohnungsmarkt lindern soll.

Trotz der schweren Rezession sind britische Immobilien im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen der Bevölkerung immer noch um mindestens 20 Prozent überbewertet, schätzt die OECD. Das liegt vor allem daran, dass es seit Jahrzehnten nicht gelingt, die steigende Nachfrage durch Neubauten zu befriedigen. "Eigentlich müssten jedes Jahr 250.000 neue Wohnungen entstehen", sagt Danny Gabay von der Beratungsfirma Fathom Consulting. "Tatsache ist aber, das es gerade mal 145.000 sind."

Doch mit den Milliarden Kaufbeihilfe läuft Cameron Gefahr, eine seiner wichtigsten wirtschaftspolitischen Leitlinien, die Reindustrialisierung Großbritanniens, aus dem Auge zu verlieren und eine neue Immobilienblase aufzupumpen. Denn die Folgen der Krise sind längst nicht überwunden. Die britische Wirtschaftsleistung liegt immer noch 2,5 Prozent unter dem Wert von 2007. Auch Zentralbankchef Mark Carney geht nicht davon aus, dass diese Lücke vor 2017/18 aufgeholt werden kann – wenn der Immobilienmarkt bis dahin nicht erneut kollabiert.

2010 konnte Cameron nur sparen, sparen, sparen

Als Cameron 2010 Regierungschef wurde, war die Lage der Staatsfinanzen katastrophal. "Wenn wir vor zehn Jahren dem Euro beigetreten wären, würde er heute nicht mehr existieren", sagt der Vorsitzende des Finanzausschusses im Unterhaus, Andrew Tyrie. Ein Haushaltsdefizit in Großbritannien von zwölf Prozent der britischen Wirtschaftsleistung hätte eine gemeinsame Währung kaum aushalten können. Cameron und sein Kabinett konnten nur sparen, sparen, sparen. Die meisten Ressorts mussten Kürzungen von bis zu 25 Prozent verkraften.

Gleichzeitig war klar, dass die Wirtschaft Strukturreformen brauchte. 30 Jahre lang habe die Finanz- und Dienstleistungsbranche als absoluter Wachstumschampion gegolten, sagt David Green, Direktor des Londoner Think Tank Civitas. Zum Zeitpunkt des Crashs erwirtschaftete allein die City of London zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts. Industrie und Gewerbe seien dagegen immer weiter geschrumpft, der Anteil der Industrie war auf sieben Prozent gesunken.