ZEIT ONLINE: Herr Lücking, Sie müssen sich gerade ganz schön Sorgen machen. 

Gero Lücking: Warum?

ZEIT ONLINE: Union und SPD machen Ihr Geschäftsmodell kaputt. Lichtblick bietet Ökostrom an und die Politik will genau an dieser Stelle die Förderung kürzen.

Lücking: Unser Geschäftsmodell beruht nicht auf Subventionen, deshalb sind wir da gelassen. Was wir aber wissen, ist, dass es im Moment um eine Menge geht: Wird die Energiewende konsequent kompetent fortgesetzt oder würgt die Politik sie ab?

ZEIT ONLINE: Sozialdemokraten und Union wollen die festen Vergütungen für Ökostrom streichen. Stattdessen sollen die Betreiber von Wind- und Solarparks ihren Strom direkt an der Börse verkaufen. Eine gute Idee?

Lücking: Ja, schon. Aber de facto sind wir längst so weit. Schon jetzt werden 85 Prozent der Windenergie direkt an der Börse verkauft, die Erzeuger verzichten in diesem Fall auf die gesetzlich garantierte Vergütung. Wenn Union und SPD das jetzt gesetzlich festschreiben wollen, sparen sie noch lange kein Geld. Und ein zentraler Aspekt fehlt beispielsweise: Grüner Strom aus Deutschland muss endlich auch für Verbraucher zugänglich gemacht werden. Derzeit verbietet uns das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Ökostrom aus Deutschland zu verkaufen. Diese Absurdität muss beendet werden.

ZEIT ONLINE: Also wird Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sein Ziel verfehlen, wenn er verspricht, die Kosten der Energiewende nicht aus dem Ruder laufen zu lassen?

Lücking: Wie Altmaier die Stromkosten senken will, ist mir zumindest unklar. Wenn er das nur machen will, indem er den Ausbau der Erneuerbaren reduziert, hätte das nichts mehr mit einer Energiewende zu tun. Die Kunst besteht ja darin, den Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben und gleichzeitig die Kosten konstant zu halten oder sie sogar zu senken.

ZEIT ONLINE: Union und SPD streiten außerdem um neue Subventionen für Kohle- und Gaskraftwerke zur Reserve. Brauchen wir die?

Lücking: Nein, es wäre völlig falsch, alten Kraftwerken auf diese Weise das Überleben zu sichern. Natürlich wäre das im Sinne der SPD, denn diese neue Subvention zielt auf die bestehenden Kohlekraftwerke auch in Nordrhein-Westfalen ab. Von denen haben wir aber zu viele. Das ist ein typischer Fall von dumpfer Klientelpolitik. Was wir wirklich brauchen, ist eine fokussierte finanzielle Unterstützung, um den Neubau von flexiblen und emissionsarmen Kraftwerken zu unterstützen.

ZEIT ONLINE: Gibt es denn irgendetwas Positives an den Plänen der zukünftigen Regierung?

Lücking: Mit Freude haben wir gelesen, dass Union und SPD zumindest am Ziel festhalten, dass der Anteil von Strom aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen weiterhin bei 25 Prozent liegen soll. Solchen Strom liefert etwa auch ein kleines Blockheizkraftwerk in Ihrem Keller. Es wäre sinnvoll, eine Flexibilitätsprämie einzuführen, damit solche Anlagen dann Strom ins Netz einspeisen, wenn er auch wirklich gebraucht wird.