ZEIT ONLINE: Herr Schwarze, ein Streitpunkt auf dem Klimagipfel in Warschau ist eine Forderung der Entwicklungs- und Schwellenländer: Sie wollen einen Ausgleich für die Schäden, die in ihren Ländern durch den Klimawandel entstehen. Warum beharren diese Staaten so sehr darauf?

Reimund Schwarze: Es geht vor allem um Bangladesch, aber auch um die AOSIS-Gruppe ...

ZEIT ONLINE: ...ein Bündnis von kleinen Inselstaaten, die dem Klimawandel besonders ausgesetzt sind ...

Schwarze: Diese Inseln werden untergehen. Das lässt sich schon heute nicht mehr verhindern. Der Meeresspiegel wird um 1,50 Meter oder mehr steigen. Die Bewohner der Inseln werden abwandern. Die Staaten fordern deshalb einen Rechtsanspruch auf Entschädigung. Die Fachleute sprechen dabei von loss and damage.

ZEIT ONLINE: Wie könnte denn die Entschädigung aussehen? Sollen diese Menschen anderswo Land und Häuser bekommen?

Schwarze: Im Prinzip schon. Schon in Doha haben die Teilnehmer über Entschädigungen diskutiert. Damals war man sogar schon weiter. In Warschau fangen wir wieder an, über Grundsatzfragen zu sprechen.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Schwarze: Aus meiner Sicht hatten wir uns schon geeinigt, dass wir bestehende Vereinbarungen nutzen, um den Umgang mit Klimaschäden zu regeln. Jetzt steht plötzlich wieder die Gegenposition im Raum, die die Entschädigungen völlig unabhängig regeln will. Da waren wir eben schon weiter.

ZEIT ONLINE: Wie will man überhaupt messen, welche Schäden durch den Klimawandel entstehen? Im Fall der Südseeinseln mag das einfach sein. Aber wie will man berechnen, welchen Anteil der Taifun-Schäden auf den Philippinen zum Beispiel auf den Klimawandel zurückzuführen ist?