Das Land wird nicht untergehen, wenn dieser Koalitionsvertrag umgesetzt wird. Dass der Mindestlohn kommt, ist richtig. Unternehmen, die nur mit Hungerlöhnen überleben können, haben kein Geschäftsmodell und sollten vom Markt verschwinden.

Entscheidend ist ohnehin die Höhe des Mindestlohnes. Eine sofortige landesweite Lohnuntergrenze von 8,50 Euro hätte wahrscheinlich gerade im Osten zu Arbeitsplatzverlusten geführt – jetzt haben die Firmen bis 2017 Zeit. Durch die Geldentwertung und den Produktivitätszuwachs wird die Grenze de facto aufgeweicht. Am Ende wird es sehr darauf ankommen, wie die Vereinbarung in der Praxis umgesetzt wird.

Die Gewerkschaften werden gestärkt, aber das muss kein Nachteil sein. In den vergangenen Jahren haben sie sich als verantwortungsvoller Partner der Arbeitgeber erwiesen. Deutschland hat mit seinem Tarifvertragswesen in der Krise bessere Erfahrungen gemacht als Länder, in denen über die Löhne dezentral in den Unternehmen entschieden wird.

Dramatisch ist das alles also nicht – und wer jetzt argumentiert, das Land drehe die Reformen leichtfertig wieder zurück, der vergisst, dass in den vergangenen zehn Jahren immer nur bei den Arbeitnehmern gekürzt wurde. Wenn es nun einmal in eine andere Richtung geht, dann kann sich Deutschland das leisten. Der enorme Überschuss im Außenhandel ist ein Indiz dafür, dass in Deutschland eher zu wenig als zu viel Geld ausgegeben wird.

Es stimmt ja auch nicht, dass diese Koalition eine Koalition des Geldausgebens ist. Auf insgesamt rund 15 Milliarden Euro belaufen sich die Überschüsse im Bundeshaushalt nach bisherigen Schätzungen bis 2017, zumindest wenn alles gut geht und die Zinsen nicht steigen oder die Krise wieder eskaliert.

Das ist der Spielraum für die kommende Regierung, denn neue Schulden will die Koalition nicht machen. Und auf der Pressekonferenz der drei Parteivorsitzenden heute wurde Mehreinnahmen – ob direkt durch Steuererhöhungen oder indirekt durch die Abschaffung von Steuervergünstigungen – eine Absage erteilt. Die eine oder andere Million wird die Ausweitung der Maut für Lastwagen einbringen, aber viel wird es nicht sein. Die derzeit kursierenden 23 Milliarden Euro kommen so sicher nicht zusammen.