Die Rentenkassen sind gut gefüllt – und daran wollen sich Union und SPD offenbar bedienen. Um neue Rentenleistungen zu finanzieren, wollten die potenziellen Koalitionspartner verhindern, dass der Beitragssatz zum Jahreswechsel automatisch von 18,9 auf 18,3 Prozent sinkt, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung . Weil die Zeit drängt, sollen Union und SPD erwägen, schon während ihrer Verhandlungen ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren einzuleiten. Denn nur so wäre eine Gesetzesänderung bis Jahresende zu schaffen. Die 17 Unterhändler der Renten-AG seien sich trotz Protests von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden einig in der Absicht, die Beiträge auf hohem Niveau zu lassen und somit finanzielle Spielräume in der Rentenversicherung zu erhalten. 

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sprach sich in der Welt nicht nur gegen eine allgemeine Beitragssenkung, sondern gleichzeitig für die Aufstockung der Rente von Geringverdienern aus: "Eine weitere Senkung der Rentenbeiträge kann es derzeit nicht geben, wenn wir wirksamen Schutz vor Altersarmut bieten wollen." Die geplante Anhebung der Renten von Müttern, deren Kinder vor 1992 geboren seien, könne aus dem Bundeszuschuss finanziert werden.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warnte die Union vor einem Kurswechsel: "Wenn trotz der Mehrkosten eine Aufstockung von Geringverdiener-Renten beschlossen werden soll, muss dies aus Steuermitteln finanziert werden und nicht aus der Rentenkasse." Zu Recht habe die Union dies so in der vergangenen Legislaturperiode beschlossen. "Daran sollte sie festhalten und nicht die eigene Position aufgeben, nur weil die Rentenkassen gerade gut gefüllt sind." Der Vorschlag zeigt laut BDA erneut, "wie schnell volle Kassen Begehrlichkeiten wecken". 

Keine Änderung der Altersgrenze

Die Forderung der SPD, weitere Ausnahmen von der Rente mit 67 zuzulassen, wies Gröhe zurück: "Ich habe erhebliche Zweifel hinsichtlich der Finanzierbarkeit. Eine Beitragserhöhung darf es dafür jedenfalls nicht geben." Die SPD möchte die Altersgrenze, ab der man nach 45 Beitragsjahren in Rente gehen kann, auf 63 senken. 

Auch der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische, warnte davor. Davon würden vor allem Männer mit relativ guter Rente profitieren, sagte er dem Focus . DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte sogar eine Erhöhung der Rentenbeiträge zur Bildung einer "Demografiereserve". Dies sei nötig, um "die Renten der Zukunft zumindest auf dem heutigen Level zu halten", sagte die Rentenexpertin der Frankfurter Rundschau .