Wenn rund eine Million Dollar an Spendengeldern in einen US-Kommunalwahlkampf fließen, muss es um mehr gehen als nur die Sitzverteilung im Kreistag. In Whatcom County, einer ländlichen Landkreis im US-Bundesstaat Washington, kommen normalerweise gerade einmal ein paar Tausend Dollar pro Kandidat zusammen.

"Dieses Mal sind die Wahlkampfspenden fast zehnmal so hoch gewesen wie normalerweise", sagt Todd Donovan, Politikprofessor von der Western Washington University. Das Ergebnis der Wahl am heutigen Dienstag ist von besonderer Bedeutung – und zwar weit über die Grenzen des Landkreises hinaus.

Whatcom County war bisher lediglich dafür bekannt, dass aus der Region rund drei Viertel aller in den USA angebauten Himbeeren stammen. Jetzt ist geplant, in dem 200.000 Einwohner starken Landkreis an der Grenze zu Kanada den größten Kohleexport-Hafen an der gesamten Westküste zu bauen. Deshalb ist für die Industrie die künftige Zusammensetzung des Rates besonders wichtig.

Riesenhafen geplant

Der rund 700 Millionen teure Gateway Pacific Terminal ist ein Vorhaben des Hafenbetreibers SSA Marine und würde pro Jahr mehr CO2 produzieren als der gesamte Bundesstaat. Er hätte die Kapazität, jährlich 48 Millionen Tonnen Kohle aus den etwas weiter im Landesinneren gelegenen Bundesstaaten Wyoming und Montana zu verschiffen. Ein Großteil davon soll nach China exportiert werden, um die dort rasant wachsende Zahl an Kohlekraftwerken zu befeuern.

Der Kreisrat von Whatcom County entscheidet also nicht nur über die Bebauung des eigenen Küstengebiets. Er hat auch großen Einfluss auf das Schicksal der schwächelnden US-Kohleindustrie, auf die Handelsbeziehungen mit China und nicht zuletzt auch auf die weltweite Erderwärmung. "Dies mag eigentlich eine ziemlich kleine Kommunalwahl sein, aber die Entscheidungen, die dieses Gremium fällen wird, werden weitreichende Folgen für das Klima und die Energie auf der ganzen Welt haben", sagt Brendon Cechovic von der Umweltlobby League of Conservation Voters. 

Die Kohleindustrie hat in den USA derzeit einen schlechten Stand. Sie verliert Marktanteile an die Erdgasindustrie und die Debatten über den weltweiten Klimawandel haben dem Ansehen der Industrie geschadet. Deshalb sucht die Branche nach neuen Märkten – einer davon ist China.  

Zwar steht das Votum über den Bau des Terminals voraussichtlich erst in ein bis zwei Jahren an. Doch wer darüber abstimmen wird, entscheidet sich bereits heute. Zur Disposition stehen vier der insgesamt sieben Ratssitze. "Es sieht nach einem sehr knappen Ergebnis aus", sagt Politikexperte Donovan. Die Umweltschützer, die gegen den Terminal sind, müssten mindestens zwei Sitze für sich gewinnen. Sonst hätten sie kaum Chancen, sich gegen die Befürworter durchzusetzen, sagt Donovan.