Die fünf Wirtschaftsweisen haben die Pläne von Union und SPD kritisiert. In ihrem Gutachten warnen sie vor einer "rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik" und kritisieren zentrale Vorhaben wie gesetzlichen Mindestlohn, Mietpreisbremse, Rentenpläne oder die angestrebte Reform der Ökostromförderung.

Das von Union und FDP eingeführte Betreuungsgeld sollte gestrichen werden, heißt es in dem Gutachten weiter. Es konterkariere die angestrebten Ziele in der Familienpolitik. Die Mittel wären besser geeignet zur Konsolidierung des Haushalts, schreiben die Wirtschaftsweisen.

Die gute Position Deutschlands im Vergleich zu den Krisenländern des Euro-Raums "scheint vielfach den Blick auf die großen zukünftigen Herausforderungen verstellt zu haben", kritisieren sie. Derzeit in den Koalitionsverhandlungen diskutierte Maßnahmen wie die Mütterrente, eine Aufstockung niedriger Renten sowie Ausnahmen von der Rente mit 67 gingen überwiegend zu Lasten der kommenden Generationen. Die Reformen der Agenda 2010 dürften daher nicht verwässert oder teilweise zurückgenommen werden.

Der Sachverständigenrat plädierte zudem mittel- bis langfristig für eine Verbesserung des Aus- und Weiterbildungssystems in Deutschland. Die Forderung der Länder nach mehr Mitteln für Bildung und öffentliche Investitionen vom Bund bezeichnen die Wirtschaftsweisen hingegen als inakzeptabel. Bei den Ausgaben hätten die Länder in der Vergangenheit die falschen Schwerpunkte gesetzt, "indem sie den staatlichen Konsum überbetonten", heißt es in dem Gutachten.

Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent

Für das kommende Jahr rechnen die Wirtschaftsweisen mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Grund für die konjunkturelle Aufhellung sei die Beschleunigung der weltweiten Produktion, heißt es im Jahresgutachten des Sachverständigenrates. In diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach bei 0,4 Prozent liegen.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung übergab das Gutachten am Morgen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Regierung prognostiziert für 2014 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. In diesem Jahr wird die deutsche Wirtschaft demnach um 0,5 Prozent wachsen.

Merkel nimmt Hinweise ernst

Die Hinweise der Regierungsberater würden in den weiteren Koalitionsverhandlungen ernst genommen, sagte Merkel. Das Gutachten komme zum richtigen Zeitpunkt. Aber nicht alle Forderungen könnten eins zu eins umgesetzt werden.

Mit Blick auf Konjunktur und Beschäftigungsentwicklung sagte die Kanzlerin: "Die Lage kann uns mit Freude erfüllen." Aber die Herausforderungen der Zukunft seien groß. In dem Gutachten kritisiert der Sachverständigenrat deutlich zentrale Vorhaben der angehenden Koalitionspartner und bezeichnet die schwarz-roten Pläne als rückwärtsgewandt.