Pünktlich zum EU-Gipfel am heutigen Donnerstag in Brüssel haben sich die Finanzminister der 28 EU-Staaten in der Nacht auf die Regeln zur Schließung von Krisenbanken geeinigt. Sparer und Steuerzahler sollen europaweit abgesichert und vor kostspieligen Rettungsaktionen bei Bankenpleiten bewahrt werden. Damit zieht die EU Lehren aus der Schuldenkrise.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble begrüßte den mühsam erzielten Kompromiss für die Bankenabwicklung . Das sei der "richtige Beitrag, um eine weitere Stabilisierung des Finanzsektors zu erreichen", sagte der CDU-Politiker. "Das ist ein guter Tag. Damit können wir sagen, wir haben dieses Jahr diese Arbeit getan." Der französische Ressortchef Pierre Moscovici sprach von einer Vereinbarung mit historischer Bedeutung. "Die Architektur, die wir brauchen, um Krisen zu begegnen, ist geschaffen." Die Minister hatten von den EU-Staats- und Regierungschefs den Auftrag, eine Einigung bis zum Dezember-Gipfel zu erzielen.

Das neue System zur Bankenabwicklung wird von 2016 an kommen. Es ergänzt die bereits fest vereinbarte europäische Bankenaufsicht, die im November 2014 als erster Pfeiler der Bankenunion starten wird.

Nach der Finanzkrise wollen die Europäer für mehr Vertrauen in die europäische Finanzindustrie sorgen. Hauptergebnis der Gesprächsverhandlungen ist nun die Planung eines gemeinsamen Topfes, der über zehn Jahre hinweg mit Bankengeldern aufgebaut wird. Für den Topf ist ein neuer internationaler Vertrag geplant. Er soll bis Ende Februar kommenden Jahres ausgearbeitet werden. 

"Banken-Runs" sollen verhindert werden

Ob und wie eine Bank abgewickelt wird, entscheidet ein neues Gremium, dem unter anderen Vertreter der Mitgliedsstaaten angehören. Die EU-Kommission hat ein Veto-Recht.

Künftig soll bei Bankenkrisen Guthaben von kleinen Sparern in einer Höhe von bis zu 100.000 Euro komplett geschützt sein. Auf ihr Geld sollen Bankkunden künftig bereits nach sieben statt bisher zwanzig Werktagen zugreifen können, erklärte der SPD-Europaabgeordnete Peter Simon. Mit den Auflagen will die EU auch sogenannte "Banken-Runs" verhindern, bei denen Kunden angeschlagener Institute panisch ihr Geld abheben.