Der neue Entwicklungsminister Gerd Müller fordert eine Reform der Welthandelsorganisation WTO. Ökologische und soziale Standards müssten zur Basis des Handels gemacht werden, sagte der CSU-Politiker der Süddeutschen Zeitung. Das alleinige Ziel eines freien Welthandels werde in der WTO zu stark diskutiert. Müller plädierte dafür, vor allem die Rechte von Frauen und Kindern zu stärken.

Nach Ansicht des neuen Ministers, der zuvor Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium war, müssen die Grenzen des Wachstums neu definiert werden: "Die 20 Prozent der Menschen, die in den Industrienationen leben, verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen. Daraus ergibt sich, dass wir nicht mit dem Finger auf die Schwellen- und Entwicklungsländer zeigen sollten." Müller verlangte ein neues "globales Verantwortungsethos" der Industrienationen.

Als größte Herausforderung bezeichnete Müller die wachsende Weltbevölkerung. Jeden Tag wachse die Welt um 200.000 Menschen: "Diese Menschen wollen nicht nur essen, sie hinterlassen auch einen ökologischen Fußabdruck. Das hat gewaltige Folgen." Deutschland wolle mit seinem Know-how dazu beitragen, fruchtbares Land in Entwicklungsländern produktiver zu nutzen.

Der Schutz von Böden, Wasser und Luft müsse auch zu einem der zentralen Nachhaltigkeitsziele werden, die derzeit bei den Vereinten Nationen ausgehandelt werden. Sie sollen ab 2015 gelten. Müller nannte auch den Klimaschutz und eine "verantwortbare Energiepolitik" als Nachhaltigkeitsziele.

Marita Wiggerthale, Handelsexpertin bei der Entwicklungsorganisation Oxfam, unterstützte in der Süddeutschen Zeitung die Forderungen Müllers: "Seit jeher kümmert sich die WTO um den Freihandel, aber nur rudimentär um die Folgen für Mensch und Umwelt. Es wäre höchste Zeit, dies zu ändern."