Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr nach Einschätzung des Ifo-Instituts kräftig in Schwung kommen. Für das Gesamtjahr rechnet Ifo-Chef Hans-Werner Sinn mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent – das wäre fast fünfmal so viel wie im laufenden Jahr, in dem 0,4 Prozent verzeichnet wurden. Damit hält Sinn seine Erwartungen im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsforschern für stabil. "Die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr sind prächtig", sagte Sinn.

Unter den großen EU-Ländern habe Deutschland damit "wieder mal das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Ausbruch der Finanzkrise". Die Firmen seien nicht mehr so verunsichert und die Aussichten auf steigende Einkommen der Menschen seien gut. Deshalb werde vor allem die Inlandsnachfrage durch die Wirtschaft angekurbelt.

Allerdings gehen die Ifo-Forscher auch davon aus, dass die umstrittenen Leistungsbilanzüberschüsse weiter steigen werden. Hier werde der Überschuss im Verhältnis zur Wirtschaftskraft von 7,0 Prozent im vergangenen Jahr auf 7,3 Prozent im nächsten Jahr zulegen.

Die EU-Kommission beobachtet Deutschland wegen dieser massiven Exportüberschüsse. Sie prüft, ob dadurch in der Euro-Zone größere wirtschaftliche Ungleichgewichte entstanden sind. Die Brüsseler Behörde stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren als stabilitätsgefährdend ein.