Wer den Aufschwung in Lettland sehen will, muss ins "He’s" gehen, ein Restaurant in einer der Gassen im Zentrum von Riga. Noch vor zwei Jahren waren die Tische verwaist, die Einrichtung verschlissen. Das Restaurant schien kurz vor der Pleite.

Nun ist hier alles neu: die Möbel, die Mitarbeiter, sogar die Speisekarte. Es sind junge, russischstämmige Letten, die kochen und servieren, ihr Englisch ist bestens und alle sprühen vor Energie. Das Essen ist fantastisch, das Haus voll. Bezahlen kann man selbstverständlich in Euro – jener Währung, die ab dem kommenden Jahr 2014 im ganzen Land gilt. Der Lats, Lettlands bisherige Währung, ist dann Geschichte.

Man könnte die Beobachtung in Riga als Einzelfall abtun. Aber das wäre falsch. Lettland befindet sich wenige Wochen vor der Einführung des Euro im Aufbruch. Das Land verlässt eine Phase von Krise und Streit. Noch Anfang 2012 stritt das Land über Fragen der nationalen Identität: Lettlands starke russische Minderheit wollte per Referendum das Russische als zweite Amtssprache  durchsetzen – doch die Abstimmung scheiterte deutlich.

Es war auch die Zeit, als die Krise noch spürbarer war. Kaum ein Land in Europa litt stärker unter den Folgen der Finanzkrise als Lettland. 2009 war die baltische Republik faktisch bankrott. Der Internationale Währungsfonds musste mit Notkrediten aushelfen, die Wirtschaftsleistung brach im Jahr 2009 dennoch um nahezu 18 Prozent ein. Kein anderes Land in Europa verlor in nur einem Jahr so viel Wohlstand.

Die damalige rechtsliberale Regierung unter Ministerpräsident Valdis Dombrovskis reagierte auf die Krise mit Härte. Sie legte ein Sparprogramm auf, kürzte Sozialtransfers und Renten. Auch die Gehälter im Öffentlichen Dienst und Investitionen wurden gestrichen. Die Folge: Die Arbeitslosigkeit stieg von sechs auf 21 Prozent.

Gute ökonomische Kennziffern

Doch nach dem Tal ging es bald wieder bergauf. Schon ein Jahr später kehrte das Wachstum zurück. Lettland qualifizierte sich im Rekordtempo für den Beitritt zur Euro-Zone. Weit wichtiger als der wirtschaftliche Aufschwung erscheint im Nachhinein die nationale Erzählung, die in den Krisenjahren entstanden ist: Die Bürger haben angepackt und sich selbst aus der Bredouille befreit. "Wir sind durch ein Stahlbad gegangen, aber es hat sich gelohnt", so formuliert es Premier Dombrovskis.

Heute, nur wenige Jahre später, kann Lettland ökonomische Kennziffern vorweisen, die andere EU-Länder sich wünschen. Das Haushaltsdefizit liegt mit 1,5 Prozent deutlich unter der Maastricht-Marke von drei Prozent. Die Staatsverschuldung beträgt rund 39 Prozent und ist weniger als halb so hoch wie in Deutschland. In diesem Jahr wird die Wirtschaft wohl um 3,6 Prozent wachsen. Lettland gehört zu den dynamischsten Volkswirtschaften in Europa.