Am besten lässt sich wohl die Ineffizienz der europäischen Rüstungspolitik an einem Hubschrauber erzählen, dem NH90. Ein Transporthubschrauber, rund zehn Tonnen schwer, von der Bundeswehr als "Hightech-Helikopter" gerühmt. Eigentlich war der NH90 als ein europäisches Helikopter-Modell geplant, das sich in Serie produzieren lässt.

Der NH90 hätte ein Prestigeprojekt werden können, ein Vorbild für Europas Staaten. Heraus kamen stattdessen 23 verschiedene Varianten, mal mit dickerem Boden, mal mit dünnerem, je nach Wunsch des jeweiligen nationalen Militärs, erzählt Hilmar Linnenkamp, Rüstungsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Es wäre viel kosteneffizienter, sich auf bestimmte Modellanforderungen zu verständigen und Ausstattungen zu harmonisieren."

Eigentlich können sich in Sparkurszeiten nur noch die wenigsten EU-Staaten solche teuren Projekte leisten. Daher ist das Thema Rüstungskosten nun auch auf dem EU-Gipfel in Brüssel angekommen. Zum ersten Mal seit 2008 beschäftigten sich die Staats- und Regierungschefs mit Verteidigungsfragen, erstmals ist wieder Zeit, sich Themen zuzuwenden, die im hektischen Krisenmanagement bislang untergegangen sind. 

Gerade in der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik läuft einiges falsch. Mit peniblem Ehrgeiz hat die EU-Kommission in einem Hintergrundpapier aufgelistet, wie ineffizient etwa der Wettbewerb innerhalb der EU ist, wenn es um die Beschaffungspolitik der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten geht.

Von einem europäischen Binnenmarkt, der nach einheitlichen Regeln funktioniert, ist Europa im Bereich Rüstung noch weit entfernt: Mehr als 80 Prozent der Gelder in Verteidigungsausrüstung investieren die jeweiligen EU-Staaten in ihrem Heimatland. Heimische Arbeitsplätze sichern, gerade in solchen sicherheitsrelevanten Bereichen wie Verteidigung, das ist das Anliegen.

Teure Einkaufspolitik

Aber die derzeitige Einkaufspolitik ist ineffizient, gerade in Europa, dessen Wirtschaften durch den Binnenmarkt eng miteinander verwoben sind. Trotz der Kürzungen in ihren Etats gaben die EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2011 insgesamt immer noch mehr für Verteidigung aus als China, Russland und Japan zusammen, zitiert die EU-Kommission einen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. 

Doch viel Geld heißt nicht zwangsläufig viel Erfolg: Die großen EU-Nationen Deutschland, Frankreich und Großbritannien produzieren etwa ihre Rüstungsgüter komplett unabhängig voneinander. Im Ernstfall hat das weitreichende Folgen. Während des Militäreinsatzes in Libyen ließen sich etwa die europäischen Flugzeugmodelle nicht problemlos betanken, weil sie allesamt unterschiedliche Standards hatte. Am Ende mussten die USA einspringen und aushelfen. Peinlich.