Deutsche und europäische Behörden gehen dem Verdacht nach, dass Kriminelle den Strom- und Gasmarkt in großem Stil für Steuerbetrug genutzt haben. Die Fahnder seien Firmennetzen auf der Spur, die Staaten durch hinterzogene Umsatzsteuern um viele Milliarden Euro gebracht haben könnten, berichtet die Süddeutsche Zeitung . Die europäische Polizeibehörde Europol in Den Haag spreche von Fällen historischer Dimension, heißt es darin.

In Deutschland hätten sich Ermittler gleich in mehreren Bundesländern an verdächtige Strom- und Gashändler geheftet, etwa in Nordrhein-Westfalen , Sachsen und Baden-Württemberg . "Die Spuren führen ins Milieu der organisierten Kriminalität", verlautete es aus Kreisen des Bundeskriminalamtes (BKA).

Selbst ein großer deutscher Energiekonzern sei dabei offenbar ins Visier der Fahnder geraten. Finanzbehörden in Baden-Württemberg hegten bereits seit 2010 den Verdacht, dass EnBW in illegale Karussellgeschäfte im Stromhandel verwickelt sein könnte, schreibt die Zeitung. Sie seien dort auf strafrechtlich relevante Sachverhalte gestoßen, teilten die Steuerprüfer dem Stuttgarter Konzernprüfungsamt mit, heißt es unter Berufung auf eine interne Aktennoziz weiter. Ein EnBW-Sprecher sagte, der Konzern wisse von den Aktivitäten der Behörden nichts.

Karussellgeschäfte aus dem Emissionshandel bekannt

Der Betrug funktioniert laut SZ fast immer nach dem gleichen Schema: Firmen handeln untereinander über Grenzen hinweg mit Strom. Ein Unternehmen verkauft ihn steuerfrei nach Deutschland. Beim Weiterverkauf würden eigentlich 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Die Betrüger zahlten nicht, reichten den Strom wie in einem Karussell unter gut verschleierten Firmen so lange weiter, bis sich die Spur verliert. Am Ende werde der Strom wieder ins Ausland exportiert. Der letzte Verkäufer lasse sich die nie gezahlte Steuer vom deutschen Fiskus zurückerstatten, weil der Handel innerhalb der EU nicht besteuert werden soll, schreibt die Zeitung.

Sogenannte Karussellgeschäfte sind bereits aus dem Emissionshandel bekannt. Zwischen 2008 und 2010 richteten sie schon Milliardenschäden an. Vor dem Frankfurter Landgericht wurden die Angeklagten in einem Betrugsprozess zu Haftstrafen verurteilt.