Der Prozess gegen sieben Exvorstände der BayernLB hat begonnen. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Bankchef Werner Schmidt und sechs weiteren Exvorständen Untreue vor. Sie sollen bei dem Kauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Mai 2007 Risiken missachtet und einen viel zu hohen Preis für die Bank bezahlt haben.

Die Manager sollen den Kauf der HGAA laut Anklage in großer Eile und um fast jeden Preis besiegelt haben. Sie hätten die Geschäfte der Landesbank nach Südosteuropa ausdehnen wollen. Dabei standen die Vorstände aus Sicht der Ankläger unter großem Druck: Die Übernahme einer anderen Bank war gescheitert und der CSU-dominierte Verwaltungsrat habe Erfolge sehen wollen. Das Gericht hat zur Klärung dieser Vorwürfe bis zum Jahresende mehr als 70 Verhandlungstage angesetzt.  

Angeklagt ist neben Werner Schmidt auch Michael Kemmer, der amtierende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. Er war zur Zeit der Übernahme Finanzchef bei der BayernLB. Der ehemalige Vorstand Gerhard Gribkowsky, der wegen der Annahme von Schmiergeld von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bereits zu jahrelanger Haft verurteilt wurde, wird ebenfalls wegen seiner Rolle bei der HGAA-Übernahme beschuldigt. Daneben sitzen die früheren Vorstände Rudolf Hanisch, Theodor Harnischmacher, Ralph Schmidt und Stefan Ropers auf der Anklagebank.  

Der Kauf der HGAA zum Preis von mehr als 1,6 Milliarden Euro entpuppte sich schnell als größter Fehler in der Geschichte der Landesbank und trieb sie fast in die Pleite. Die Bank konnte nur mithilfe des Freistaats Bayern gerettet werden, der heute Haupteigentümer der Bank ist. Der Schaden für das Land summierte sich auf mehr als drei Milliarden Euro. Strafrechtlich relevant davon sind nach Überzeugung der Anklage 550 Millionen Euro.

Nach Milliardenverlusten gab die Landesbank die Tochter im Jahr 2009 zum symbolischen Preis von einem Euro an Österreich zurück und streitet sich bis heute mit ihr um die Rückzahlung von Milliardenkrediten.

Der Richter sah keine Pflichtverletzung

Die Staatsanwaltschaft hatte die Anklage bereits im Mai 2011 erhoben. Doch ein Streit zwischen Staatsanwaltschaft und Richtern bremste das Verfahren zunächst aus: Nach einer ungewöhnlich langen Prüfung erklärte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert im August 2013, dass er im Fall der HGAA-Übernahme keine Hinweise auf Pflichtverletzungen sieht und die Anklage in diesem Punkt nicht zulässt. Strafrechtlich sei dem Vorstand beim Kauf der Hypo Alpe Adria nichts vorzuwerfen, verkündete seine Kammer nach dem Studium der 474 Seiten dicken Anklageschrift.

Lediglich zwei kleinere Anklagepunkte wollte der Richter zulassen. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft kam das Oberlandesgericht aber zu dem Schluss, dass alle Vorwürfe untrennbar miteinander verbunden sind und Eckerts Strafkammer die Anklage vollständig verhandeln muss. 

Der Prozessauftakt rief ein großes Medieninteresse hervor: Für die Verhandlung hatten sich mehr als 180 Journalisten, Fotografen und Kameraleute angemeldet.