Die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle ist trotz der milliardenschweren Förderung erneuerbarer Energien 2013 in Deutschland auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor.

Über 162 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden demnach im vergangenen Jahr in Braunkohlekraftwerken erzeugt. 1990, als noch viele alte DDR-Meiler liefen, waren es knapp 171 Milliarden Kilowattstunden. Den niedrigsten Stand für durch Braunkohle erzeugten Strom gab es im Jahr 1999 mit 136 Milliarden Kilowattstunden. Trotz eines Ökostromanteils von inzwischen knapp 25 Prozent wird nun mit einem erneut gestiegenen CO2-Ausstoß in Deutschland gerechnet.

Grund für die höhere Stromerzeugung aus Braunkohle war laut der Bilanz eine Effizienzsteigerung. Der Verbrauch an Braunkohle verminderte sich demnach um gut ein Prozent, die Inbetriebnahme neuer Kraftwerke und die Abschaltung alter Anlagen führten aber zu einem höheren Wirkungsgrad.

"Schockierenden Kohleboom stoppen"

Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer sagte über Energieminister Sigmar Gabriel (SPD): "Er muss den schockierenden Kohleboom stoppen. Das ist die gravierendste Fehlentwicklung bei der Energiewende, die die deutschen Klimaschutzziele stark gefährdet."

Die Grünen forderten von Union und SPD, dem Trend rasch entgegenzuwirken, er sei dramatisch für die deutsche Klimaschutzbilanz. "Der CO2-Ausstoß braucht einen entsprechenden Preis, damit sich klimaschonendere Gaskraftwerke durchsetzen können", sagte die Umweltpolitikerin Bärbel Höhn.

Auch der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, kritisierte den Anstieg des Braunkohlestroms. Im gleichen Maße, wie die Stromerzeugung durch Kohle gestiegen sei, sei die durch Gas zurückgefahren worden, sagte er. Diese Entwicklung gefährde die gesamte Konstruktion der Energiewende.

Den Rekordwert beim Braunkohlestrom bezeichnete Bals als Weckruf für die große Koalition. Die Bundesregierung müsse sich auf EU-Ebene für eine zügige Reform des CO2-Handels einsetzen. "Bleiben die Verschmutzungserlaubnisse so billig, fährt der Klimaschutz vor die Wand", sagte er. Um den Einsatz klimaschonender Kraftwerke dauerhaft rentabel zu machen, müsste laut Bals ein Emissionspreis von mindestens 25 Euro pro Tonne CO2 erreicht werden. Derzeit pendele er zwischen 4,50 und 5 Euro.