Im zweiten Jahr in Folge kühlt sich die Konjunktur in China ab. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde legte im vergangenen Jahr nur um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung lag damit auf dem gleichen Niveau wie 2012, als das Wachstum erstmals auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen war.

Der Zuwachs liegt knapp über dem selbst gesteckten Wachstumsziel der Regierung von 7,5 Prozent. Diese hatte allerdings ihre Vorgaben in der Vergangenheit immer sehr vorsichtig formuliert und diese dann deutlich übertroffen. Nur im vierten Quartal legte die Wirtschaft etwas stärker als erwartet um 7,7 Prozent zu, lag aber unter dem Zuwachs im Quartal zuvor.

Die ursprünglich erhoffte Erholung blieb damit 2013 aus. In diesem Jahr soll sich das Wachstum in China noch weiter verlangsamen. Die Regierung strebt vorrangig strukturelle Reformen an und will dafür auch eine geringere Wachstumsrate hinnehmen. Sieben Prozent gelten aber als Untergrenze.

"Es wird noch schlimmer"

"Der Abschwung ist nicht zyklisch, sondern hat strukturelle Ursachen", sagte der frühere Professor an der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege von Silvercrest Asset Management, Patrick Chovanec. "Es wird noch schlimmer, bevor es wieder besser wird." Wenn die Regierung ernsthaft strukturelle Reformen umsetzen wolle, werde sich das Wachstum weiter verlangsamen.

Große Sorgen bereitet den Planern die rasant gestiegene Verschuldung von Kommunen und Staatsbetrieben. Zu den finanziellen Risiken tragen ferner die wachsende Immobilienblase, die massive Ausweitung der Schattenbanken, dubiose Kreditvergabe und spekulative Vermögensverwaltungsprodukte bei.

China braucht höheres Wachstum

Die Kreditvergabe wurde in der zweiten Jahreshälfte schon gedrosselt, doch will die Regierung nicht allzu sehr bremsen und das Wachstum abwürgen. Viele faule Kredite müssen jetzt aber refinanziert werden, sodass das Geld nicht der Wirtschaft zugutekommen kann. Experten rechnen auch mit Pleiten von Investmentgesellschaften und Vermögensverwaltungen, die nicht wie die großen Staatsbanken zum Kern des chinesischen Finanzwesens gehören.

Auch wenn die Wirtschaftsleistung in China nicht mehr zweistellig wächst, erscheint der Zuwachs der – nach den USA – zweitgrößten Wirtschaftsnation im Vergleich weiter beeindruckend. Allerdings hat ein Schwellenland wie China auch großen Nachholbedarf und braucht hohes Wachstum, um die Probleme in seiner Entwicklung bewältigen zu können.