Bernie Ecclestone muss nun auch in Deutschland wegen des millionenschweren Verkaufs der Formel 1 vor Gericht. Das Landgericht München habe die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den Formel-1-Chef zugelassen, sagte eine Gerichtssprecherin. Der Brite muss in dem Strafprozess, der voraussichtlich Ende April beginnt, als Angeklagter auch persönlich erscheinen. Mehrfach hatte er schon seine Kooperation signalisiert.

Was im Falle einer Verurteilung mit der Formel 1 passieren würde, ist offen. Ein potenzieller Nachfolger für Ecclestone, der Ende der siebziger Jahre die Vermarktungs- und TV-Rechte gekauft hatte, steht nicht fest.

Es wird in dem Prozess vor dem Landgericht München um den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB im Jahr 2006 gehen. Damals kassierte Ecclestone von dem zuständigen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky 66 Millionen Dollar Provision. Dem deutschen Banker soll der britische Formel-1-Boss dann wiederum 44 Millionen Dollar heimlich zurückgegeben haben, damit dieser den Verkauf der Formel 1 in seinem Sinne regelte. 2012 war Gribkowsky vom Münchner Landgericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Ecclestone gab in London Zahlungen zu

Bei der Urteilsverkündung gegen Gribkowsky hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll gesagt, Ecclestone habe den Banker "ins Verbrechen geführt". Auch die Entscheidung über die Anklage gegen Ecclestone lag bei Nolls Kammer. Ecclestone selbst hat die Bestechungsvorwürfe stets bestritten. Er versicherte immer wieder, "nichts Illegales" getan zu haben.

In einem Zivilprozess in London, in dem sich Ecclestone bereits seit Ende Oktober vergangenen Jahres verantworten muss, hatte er die Zahlungen an Gribkowsky zugegeben, wie früher aber darauf beharrt, dass dieser ihn unter Druck gesetzt habe. "Ich habe Dr. Gribkowsky bezahlt, weil er sagte, er würde mich mit Blick auf Steuerregelungen unserer Familien-Stiftung erpressen ... was sehr teuer geworden wäre", sagte Ecclestone. Er sagte dort aber auch aus, dass er Gribkowsky zehn Millionen Pfund gezahlt habe. Eine andere Version der Dinge stritt er ab. In dem Prozess in Ecclestones Heimat – sein Büro liegt unmittelbar am Hyde Park – geht es um eine Klage der Constantin Medien AG auf die Zahlung von 171 Millionen US-Dollar (rund 124 Millionen Euro) Entschädigung.

BayernLB will Schadenersatz

Auch die BayernLB hatte Mitte Dezember bestätigt, Schadenersatz von Ecclestone wegen der damaligen Vorgänge in einer Summe von 400 Millionen Euro einzuklagen. Ecclestone war nach dem Verkauf der Formel 1 von einem Investmentunternehmen weiter als Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse eingesetzt worden.

Und in dieser Position hat sich der Brite praktisch unabkömmlich gemacht. Ecclestone handelt mit den Streckenbetreibern die mehrere Millionen Euro schweren Verträge aus. Jüngst soll er sogar ein Kaufangebot für den Nürburgring abgegeben haben.