Die steigende Nachfrage nach Bioenergie dürfte sich auf die Preise weniger stark auswirken als der Klimawandel. Durch direkte Klimawirkungen auf Ernteerträge würden die Agrarpreise im Schnitt bis 2050 um etwa 25 Prozent steigen, errechneten Fachleute des Potsdamer Institutes für Klimafolgenforschung. Eine hohe Nachfrage nach Bioenergie in einem Szenario mit ambitioniertem Klimaschutz ließe die Preise dagegen nur um etwa fünf Prozent steigen.

Die Ergebnisse zeigen, wie sehr die Landwirtschaft mit dem Klimawandel verbunden ist – sowohl in Hinsicht auf die nötige Anpassung an Klimafolgen als auch hinsichtlich ihres Potenzials, die weltweite Erwärmung der Atmosphäre zu begrenzen. Die aktuellen Erkenntnisse besagen, dass die landwirtschaftliche Produktion und Landnutzungsveränderungen etwa ein Drittel zu den globalen Treibhausgasemissionen beitragen. Der dadurch mitverursachte Klimawandel schmälert die Erträge: Für die fünf wichtigsten Nutzpflanzen Reis, Weizen, Mais, Sojabohnen und Erdnüsse prognostizieren die Forscher einen Rückgang der Erträge um 10 bis 38 Prozent weltweit bis zum Jahr 2050, wenn sich der Klimawandel ungebremst fortsetzen würde.

Zu ihren Schlüssen kommen die Forscher nach Auswertung zweier Studien, die sie im Journal Agricultural Economics veröffentlichten. Bisher zeigten Berechnungen zur zukünftigen Landnutzung aufgrund großer Unsicherheiten bei Daten und Methoden sehr unterschiedliche Ergebnisse. Über zwei Jahre hinweg harmonisierten daher die auf diesem Gebiet führenden internationalen Forscherteams die wichtigsten Daten und Annahmen. So sei eine verlässlichere Abschätzung der Folgen möglich, erläuterten die Forscher des Potsdamer Institutes. Hinzukomme ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Landnutzung und Agrarpreisen. 

Die Forscher benennen noch immer "beträchtliche Unsicherheiten bei den Projektionen zur zukünftigen Landwirtschaft", betreffend etwa den Düngeeffekt von CO2, die Verfügbarkeit von zusätzlichem Agrarland oder das Maß des Zuwachses an landwirtschaftlicher Produktivität. Dennoch seien die neuesten Analysen und Erkenntnisse ein wichtiger Schritt in Richtung einer robusteren Abschätzung von Klimafolgen auf die Landwirtschaft.

Um die Folgen weltweiter Erwärmung auf die Landwirtschaft so abzufangen, weisen die Forscher mehrere Wege: Ein Teil der Produktion könnte in Regionen mit weniger negativen Klimafolgen verlagert werden, schreiben sie. Zudem könnten Agrarregionen von einer Intensivierung der Landwirtschaft profitieren. "Um mit den großen Unterschieden von einer Region zur anderen und von einer Pflanze zur anderen zurechtzukommen, wäre ein flexibleres weltweites Handelssystem für landwirtschaftliche Güter nötig", so Christoph Müller, einer der Autoren des Potsdamer Institutes. Es gebe aber nicht "die eine Lösung" für alle Probleme.