Die deutsche Wirtschaft boomt, die europäische Krise ist vorbei und unsere wirtschaftliche Zukunft ist rosig – das zumindest ist die öffentliche Wahrnehmung. Prognosen für dieses und das kommende Jahr stellen ein Wirtschaftswachstum von knapp unter zwei Prozent in Aussicht. Einige Ökonomen argumentieren nun gar, dass die Wachstumszahlen der vergangenen Jahre viel höher sind als vom Statistischen Bundesamt berichtet und auch die Prognose für 2014 bei fast drei Prozent Wachstum liegen könnte, da die statistischen Daten die Wirtschaftsdynamik unterschätzen. Die Euphorie in der Öffentlichkeit und einiger Ökonomen scheint kaum Grenzen zu kennen. Erfahren wir zurzeit wirklich ein kleines Wirtschaftswunder in Deutschland? Und ist die Zukunft wirklich so rosig?

Es gibt drei große Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahren. Vor allem der Rückgang der Arbeitslosigkeit von über zwölf Prozent im Jahr 2005 auf heute unter sieben Prozent ist bemerkenswert. Die deutsche Wirtschaft ist zudem so wettbewerbsfähig wie seit Langem nicht. Und auch die Tatsache, dass der deutsche Staat bereits 2012 wieder schwarze Zahlen schreibt, ist eine große Leistung.

Gleichzeitig gibt es jedoch immer noch einige Probleme, die wir in der öffentlichen Diskussion gerne ignorieren. Seit 2000 ist die deutsche Wirtschaft weniger stark gewachsen als die der Eurozone als Ganzes. Natürlich steht Deutschland im europäischen Vergleich hervorragend da. Aber ein jährliches Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 0,5 Prozent seit 2009 ist alles andere als beeindruckend.

Wurde das Wachstum unterschätzt?

Einige Ökonomen argumentieren, dass das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre deutlich höher war als vom Statistischen Bundesamt berichtet. Das Argument: Die Produktivität und Nachfrageeffekte der deutschen Wirtschaft würden systematisch unterschätzt. In diesem Zusammenhang wird vor allem auf die positive Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt verwiesen. Das tatsächliche Wachstum für die kommenden zwei Jahre könne daher durchaus bei fast drei Prozent liegen, urteilen die Ökonomen. Die Wirtschaftspolitik solle daher sehr viel restriktiver sein und Steuern erhöhen und öffentliche Schulden abbauen.

Was ist dran an diesem Argument? Wohl recht wenig, und die Hoffnung auf ein starkes Wachstum in den kommenden Jahren wird sich wohl als Wunschdenken herausstellen. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt ist weniger stark als erhofft. Zwar wurde in den vergangenen zehn Jahren viel Beschäftigung geschaffen. Es handelt sich jedoch zu einem signifikanten Teil um prekäre Beschäftigung und Teilzeitjobs. Auch die Produktivität hat sich, mit ein paar Ausnahmen, eher schwach entwickelt. Dies ist nicht überraschend, denn viele der neuen Arbeitsplätze haben Menschen mit relativ geringer Qualifikation in Beschäftigung gebracht. Zudem sind die Investitionen in Deutschland im internationalen Vergleich sehr niedrig. Das bedeutet, dass sich als logische Konsequenz auch die Produktivität, die Einkommen und das Wachstum nur schwach entwickeln können.