Greg Gopman machte seinem Ärger auf Facebook Luft. "Es gibt nichts Groteskeres als die Market Street in San Francisco entlangzulaufen", schrieb der Gründer des Tech-Start-ups AngelHack im Dezember. "Warum muss das Herz unserer Stadt überlaufen sein von Verrückten, Obdachlosen, Aussteigern und Müll?" Jedes Mal, wenn er die Hauptstraße im Herzen San Franciscos sehe,"stirbt meine Liebe ein bisschen mehr." In jeder anderen Stadt, so Gopman, halte sich der untere Rand der Gesellschaft wenigstens zurück. "Nur hier verhalten sie sich wie Hyänen und tun so, als gehöre ihnen die Stadt."

Mit seinem Kommentar traf Gopman einen Nerv. Gopman habe, hieß es nur wenig später auf zahlreichen Tech-Blogs, das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen der Branche und dem Rest der Bevölkerung um Meilen zurückgeworfen. "Viele Einwohner von San Francisco", schimpfte die Seite Valleywag stellvertretend, "würden es wohl lieber sehen, wenn die Tech-Unternehmer, nicht die Mittellosen, von der Straße gezogen und in den Pazifik gestoßen würden." 

Seit Wochen spitzt sich der Klassenkampf zwischen den Einwohnern der Westküstenstadt und der neuen Tech-Elite zu. Nach Meinung vieler hat das Silicon Valley, jener Ort, der weltweit für seine Innovationen gefeiert wird, die Stadt bis zur Unkenntlichkeit verändert. Hochbezahlte Angestellte von Google, Facebook oder Apple haben ihre Quartiere in der Westküstenstadt aufgeschlagen, weil sie das Leben den langweiligen Vororten des Technologie-Tals vorziehen. Unternehmen wie Twitter und das Taxi-Start-up Uber, dem derzeit wohl angesagtesten der jungen Firmen, haben ihren Sitz in der Stadt. 

Zum Unmut der Anwohner. Am Tag des Börsengangs von Twitter im November blockierten zahlreiche Gegner das Hauptquartier des Mikrobloggingdienstes und hielten Schilder mit Sprüchen wie "#Gentrification" oder "Don’t Twit on Me" in die Luft – "Verarsch mich nicht".

Opfer des Tech-Booms

Auch die Fahrer der Shuttle-Busse, mit denen die großen Unternehmen ihre Mitarbeiter aus der Stadt zum Arbeitsplatz chauffieren, bekommen den Ärger zu spüren. Immer wieder stoppen Demonstranten die Busse auf ihrer Fahrt durch die Stadt. Kurz vor Weihnachten schmissen wütende Einwohner die getönten Scheiben eines Busses ein und zerstachen einen Reifen. 

Insgesamt 30 Firmen nutzen die Busse, pro Werktag machen sie rund 4.000 Stopps in der Stadt, oft an öffentlichen Haltestellen, ohne dafür Gebühren zu zahlen – während der Rest der Bevölkerung das notorisch schlechte Nahverkehrssystem der Stadt nutzen muss. Die Unternehmen, argumentieren die Gegner, würden ihrer Stadt für die nicht genehmigten Stopps mehr als eine Million Dollar pro Tag schulden. Doch es geht um mehr. Die Busse seien wie "Raumschiffe, mit denen unsere außerirdischen Herrscher gelandet sind", schrieb die Autorin Rebecca Solnit unlängst in der London Review of Books über die klimatisierten Internet-Busse. 

Tatsächlich fühlen sich viele Einwohner als Opfer des Tech-Booms. Die Einkommensungleichheit ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen, heute ist sie größer als irgendwo sonst im Land. Während der Twitter-Börsengang im November der Stadt 1.600 neue Millionäre verschafft hat und Software-Ingenieure bei Facebook und Google im Schnitt weit über 120.000 Dollar pro Jahr verdienen, kämpft die Mehrheit der rund 830.000 Einwohner mit ständig steigenden Kosten. "Die Veränderung kam quasi über Nacht", erklärt Kevin Starr, Professor für Stadtentwicklung an der Universität in Southern California.