Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die Zinspolitik der EZB gegen Kritik vor allem aus Deutschland verteidigt. Derzeit gebe es keinen Grund von einer steigenden Teuerung auszugehen, weshalb die lockere Geldpolitik der Euro-Notenbank gerechtfertigt sei, sagte er in Berlin. Die Risiken, dass es auf mittlere Sicht zu einer deutlich erhöhten Inflation komme, seien zurzeit gering. Das gelte für den gesamten Euro-Raum, aber eben auch für Deutschland.

"Mit meinem Kollegen Mario Draghi stimme ich vollkommen darin überein, dass es keinen Grund gibt, irrationale Inflationsängste zu pflegen", sagte Weidmann. Allerdings bleibe der Kampf gegen Inflation stets ein Thema für die Geldpolitik und dürfe nicht vernachlässigt werden. Er plädiere dafür, die Dinge nüchtern zu analysieren und langfristige Gefahren für die Preisstabilität im Blick zu behalten.

Die Unterstützung von Weidmann kommt überraschend. Bisher hatte sich Weidmann zumeist gegen die lockere Geldpolitik Draghis und die Senkung des Zinssatzes ausgesprochen. Die Europäische Zentralbank hatte den Leitzins im November auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Weidmann hatte der Zinssenkung nicht zugestimmt. Eine Spaltung innerhalb der Notenbank hatte er aber zurückgewiesen.

Weidmann sagte jetzt, dass ein Anstieg oder auch ein starkes Absinken der Preise nicht zu erwarten sei. Auch das Gespenst einer breit angelegten Deflation im Euro-Raum löse sich bei nüchterner Betrachtung in Luft auf, sagte er. Angesichts der konjunkturellen Lage sei das Risiko einer deflationären Entwicklung begrenzt. 

Die aktuell geringeren Teuerungsraten führt Weidmann auch auf die Reform- und Sparbemühungen in vielen Krisenländern zurück.