Martin Mischke hatte es kommen sehen. Schon vor einem halben Jahr hatte er versucht, seine Bitcoins – nach heutigem Kurs mehrere Tausend Euro wert – vom Handelsplatz Mt. Gox auf ein anderes Konto zu überweisen. Ohne Erfolg. "Ich musste mich plötzlich verifizieren", sagt Mischke, "das war bei Transaktionen in Bitcoin sonst nicht nötig." Als selbst ein Registerauszug vom Meldeamt nicht als Verifizierung reichte, ahnte Mischke, dass er sein Geld wohl nicht so bald wieder sehen würde.

Seit Dienstagmorgen hat er nun Gewissheit. Mt. Gox ist offline. Die in Tokio ansässige Bitcoin-Handelsplattform war zeitweise der größte Marktplatz für die boomende Digitalwährung. Seit dem 7. Februar hatte der Anbieter die Guthaben eingefroren, laut Angaben des Marktplatzes wegen technischer Probleme. Am 24. Februar fanden Bitcoin-Nutzer nur noch eine leere Website.

Bitcoins im Wert von Hunderten Millionen Euro sind bis auf Weiteres verschwunden. Darunter auch das Geld von Martin Mischke. In Onlineforen wie Reddit klagen Betroffene über ihr Leid. Ein Nutzer berichtet, er habe rund 4.700 Bitcoins verloren – knapp zwei Millionen Euro.

Internetwährung - Was das Verschwinden von Mt. Gox Bitcoin-Nutzer lehrt

Aus von Mt. Gox kratzt an der Reputation von Bitcoin

Für Mischke ist das Verschwinden von Mt. Gox gleich mehrfach bitter. Es trifft ihn nicht nur finanziell, sondern kratzt auch an den persönlichen Überzeugungen des Berliners. Martin Mischke glaubt an den Nutzen und die Sicherheit der Bitcoins. Mit seinen Kollegen bei Bits & Coins Consulting berät er Unternehmen, wie sie die Kryptowährung als Zahlungsmittel annehmen können. Dabei arbeiten sie mit dem Dienst Bitpay zusammen, der Händler vom Kursrisiko absichert.

Das Mt.-Gox-Fiasko sei nicht das Ende des Zahlungsmittels Bitcoin, sagt Mischke. "Alle anderen Anbieter haben von den Fehlern von Mt. Gox gelernt. Sie haben einen schnellen Kundensupport und achten darauf, Kundengelder innerhalb weniger Tage auszuzahlen." Das lasse darauf schließen, dass sie keine Liquiditätsprobleme haben. Allein an der derzeit größten Börse Bitstamp seien in den vergangenen 24 Stunden rund 110.000 Bitcoins gehandelt worden. "Das stark erhöhte Handelsvolumen nach dem Schließen von Mt. Gox zeigt ganz klar, dass eine große Nachfrage nach und ein starker Glaube an Bitcoins herrscht", sagt Mischke.

Doch das Aus von Mt. Gox kratzt auch die Reputation der anderen Börsen an. Große Vertreter der Bitcoin-Community bemühten sich daher sofort, das verloren gegangene Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. In einer gemeinsamen Erklärung versicherten die Anbieter Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China, dass die Bitcoin-Guthaben bei ihnen weiterhin sicher sind.