Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt trotz gesunkener Inflation den Leitzins bei 0,25 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat in Frankfurt.

Die überraschend niedrige Januar-Inflation hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen. Grund ist die zum Jahreswechsel wieder auf 0,7 Prozent gefallene Inflationsrate. Sie liegt damit weit unter dem Inflationsziel der EZB von knapp unter zwei Prozent. Die Zentralbank befürchtet, dass die Teuerung noch stärker sinken könnte und sich eine für die Wirtschaft extrem gefährliche Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen, weniger Investitionen und schwächerem Konsum zu entwickeln beginnt.

Die Entscheidung soll nun im März fallen. "Der Grund, warum wir heute nicht gehandelt haben, ist, dass wir noch mehr Informationen brauchen", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Anfang März verfüge die EZB dann über aktualisierte Prognosen ihrer Volkswirte zur Inflation, Wachstum und den Arbeitsmarkt. "Dann haben wir erstmals einen Ausblick bis 2016. Das ist eine signifikante Änderung für unsere Analyse." Die jüngsten Währungsturbulenzen in einigen Schwellenländern seien zudem ein Risiko, das genau beobachtet werden müsse.

Grundsätzlich bekräftigte Draghi, dass die Notenbank zum Handeln bereit sei. Konkrete Hinweise auf eine bevorstehende Lockerung der Geldpolitik, wie sie an den Finanzmärkten und von einigen Ökonomen erhofft worden waren, gab er jedoch nicht. Bei ihrem Treffen hätten die Notenbanker über zahlreiche Instrumente diskutiert, die bei einer Verschlechterung der nach wie vor fragilen Konjunktur zum Einsatz kommen könnten, so Draghi.

Bisher prognostiziert die EZB im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent. Sollte sie diese nach unten korrigieren, wäre die EZB aus Sicht von Experten schon fast zum Handeln gezwungen.

Niedrige Zinsen sollen Wirtschaft stützen

Vor drei Monaten hatte die EZB den zentralen Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank mit Geld versorgen können, überraschend auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. Im Dezember und Januar hatten die Banker den Wert unverändert belassen.

Die niedrigen Zinsen sollen der kriselnden Wirtschaft in der Euro-Zone neuen Schub geben, weil dadurch zum Teil auch Kredite für Unternehmen und Verbraucher billiger werden.

Erstmals mit am EZB-Tisch bei der Zinsentscheidung saß Sabine Lautenschläger. Die bisherige Bundesbank-Vizepräsidentin war Ende Januar zur EZB gewechselt. Sie komplettiert als Nachfolgerin von Jörg Asmussen das aus sechs Mitgliedern bestehende Direktorium.

Asmussen war zum Jahreswechsel bei der Notenbank ausgeschieden und als Staatssekretär ins Arbeits- und Sozialministerium nach Berlin gegangen. Lautenschläger ist im EZB-Vorstand für den Aufbau der künftigen Bankenaufsicht unter dem Dach der Zentralbank verantwortlich.