Die Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme, befürwortet eine Pfandpflicht für kleine Elektro- und Elektronikgeräte, wie zum Beispiel Handys. Ausrangierte Geräte dürften nicht mehr im Müll landen, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Millionen Alt-Handys, deren Rohstoffe wiederverwertet werden könnten, lägen in den Schubladen. "Sie dürfen nicht verlorengehen", sagte Thieme. Das Pfand könne beim Abgeben in Sammelstellen erstattet werden.

Der Nachhaltigkeitsrat ist ein 2001 eingesetztes Beratungsgremium der Bundesregierung. Zu den 16 Mitgliedern des Rats zählen Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler sowie Vertreter von Umweltverbänden und Gewerkschaften.

Deren Vorsitzende Thieme forderte nun eine umfassende Kreislaufwirtschaft, die ohne Abfälle funktioniere. "Wir müssen die Einsammlung, Trennung und Verwertung von Abfällen, die eigentlich Wertstoffe sind, verbessern", sagte sie. Auch die Verbrennung von Reststoffen müsse verringert werden. Die "thermische Verwertung" von Verpackungen sei eine aberwitzige Verschwendung von Ressourcen.

Plädoyer für ökologische Steuerreform

Zugleich sprach sie sich für eine stärkere Besteuerung von Ressourcen und Energie im Zuge einer ökologischen Steuer- und Finanzreform aus, die sparsame Unternehmen belohne. Im Gegenzug könnten die Arbeitskosten reduziert werden.

Auch in die Debatte um die Ökostrom-Umlage schaltete sich Thieme ein und plädierte für einen Kostenschnitt. Sie machte sich für eine Fondsfinanzierung der Energiewende stark, wie sie zuletzt ähnlich von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ins Spiel gebracht worden war. Die CSU-Politikerin war damit jedoch am Widerstand ihres Parteichefs, Ministerpräsident Horst Seehofer gescheitert. Unterstützung erhält Aigner nun vom Nachhaltigkeitsrat. Thieme: Durch einen solchen Fonds würde die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, die gegenwärtig auf den Strompreis aufgeschlagen wird, deutlich sinken.