ZEIT ONLINE: Herr Lister, die jüngsten Meldungen aus Ihrem Unternehmen überraschen: Primark will bis 2020 auf alle giftigen Chemikalien verzichten. Sie zahlen den Opfern des Einsturzes einer Textilfabrik in Bangladesch Entschädigungen und haben ein Brandschutzabkommen unterzeichnet. Wird der Billiganbieter Primark jetzt ein verantwortungsvoller Konzern?

Paul Lister: Wir haben unsere Verantwortung schon immer extrem ernst genommen. Seit Jahren zeichnet uns die Ethical Trading Initiative aus, die sich weltweit für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt. Jedes Jahr machen wir 2.000 Betriebsprüfungen, auch unangekündigt.

ZEIT ONLINE: Große Veränderungen werden von der Textilindustrie aber erst vorgenommen, wenn ein Unglück passiert.

Lister: Sie meinen Rana Plaza, die Fabrik in Bangladesch, die im vergangenen Frühjahr zusammenstürzte? Wir haben als eines der ersten Unternehmen gesagt: Ja, wir lassen dort produzieren.

ZEIT ONLINE: Das wäre doch sowieso herausgekommen.

Lister: Mag sein. Aber von den 28 Marken, die dort produzierten, geben das noch immer nicht alle zu; darunter auch Firmen, die größer sind als wir.

ZEIT ONLINE: Sie haben gleich nach dem Unglück Entschädigungszahlungen angekündigt. Wie vielen Opfern haben Sie bislang geholfen? 

Lister: In den ersten Wochen haben wir 1.300 Menschen mit Nahrungsmitteln unterstützt – das war für die Betroffenen das Wichtigste. Außerdem haben wir allen 3.621 Arbeitern Entschädigungen in Höhe von neun Monatsgehältern gezahlt. Das Geld ging an jeden Arbeiter in der Fabrik, sogar auch an die, die nicht für uns gearbeitet haben. Insgesamt haben wir bislang 2,4 Millionen Euro ausgegeben. Momentan arbeiten wir an einer langfristigen Unterstützung für die 550 Mitarbeiter, die nur für Primark gearbeitet haben.

ZEIT ONLINE: Wie genau sieht das aus?

Lister: Das ist fast wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Je nach Schwere der Verletzung entschädigen wir die Arbeiter. Dabei beachten wir auch, wie gefährdet die Menschen sind: Können wir ihnen das Geld bar geben oder machen wir das besser über ein Konto, weil ihnen sonst das Geld gestohlen wird? Spätestens Anfang April werden die ersten Beträge ausgezahlt.

ZEIT ONLINE: Wie viel Geld stellt Primark dafür zur Verfügung? 

Lister: Das ist schwer zu sagen, weil wir jeden Fall einzeln bewerten. Aber: Wir haben uns keine Obergrenze gesetzt. Wir kommen unserer Verantwortung nach.