Danke, das war’s. Knapp und alles andere als herzlich gestaltete sich der Abschied, den Matteo Renzi am Donnerstagnachmittag Italiens Regierungschef Enrico Letta bereitete. Renzi, gerade erst seit zwei Monaten Chef der gemäßigt linken Partito Democratico (PD), greift nun nach der ganzen Macht, setzte seinem Parteifreund Letta ohne viel Federlesen auf einer Sitzung des erweiterten Parteivorstands den Stuhl vor die Tür, um nun auch noch selbst Ministerpräsident zu werden und, wie er sagt, Italien endlich "aus dem Sumpf zu führen".

Renzi hat nun alle Chancen, seinen rasanten Aufstieg zu krönen und mit gerade erst 39 Jahren zum jüngsten Premier zu werden, den Italien je hatte. Frisch und frech, ein Mann der klaren Worte, der den Politiksprech verachtet und die Hinterzimmerrituale verabscheut, der immer auf den Modus Angriff setzt: So präsentierte sich der Florentiner Bürgermeister auch jetzt wieder. Eine kurze, nicht einmal halbstündige Rede, dann eine Resolution von wenigen Zeilen, die trocken konstatiert, Italien brauche "eine neue Regierung" – und schon war das Kapitel Enrico Letta zu den Akten gelegt. 136 Vorstandmitglieder segneten den rüden Rauswurf des bisherigen Regierungschefs ab, bloß 16 votierten gegen Renzi – und das auch nur, weil sie weder Letta noch Renzi, sondern schnelle Neuwahlen wollten.

Erst am 8. Dezember 2013 war Renzi in Urwahlen, an denen etwa drei Millionen Parteianhänger teilnahmen, zum Chef der PD gekürt worden, mit einem triumphalen Resultat von knapp 70 Prozent – und dies, obwohl er seinen Aufstieg gegen so gut wie alle Parteigranden vollzogen hatte. Direkt nach seiner Wahl hatte Renzi immer wieder Letta seiner Loyalität versichert, hatte er erklärt, er wolle "nicht die Regierung, sondern Italien verändern", hatte er geschworen, keinesfalls per Palastrevolte, sondern nur über Wahlen Regierungschef werden zu wollen.

Renzi setzt auf Angriff

Diese Schwüre gehören nun der Vergangenheit an. Erneut setzt Renzi auf Angriff, auf Durchmarsch, wie bisher immer in seiner ebenso kurzen wie fulminanten Karriere. Die hatte er im christdemokratischen Lager begonnen, in einem kleinen Dorf bei Florenz, dessen christdemokratischer Bürgermeister sein Vater gewesen war. Anfang der 1990er Jahre war die glorreiche Democrazia Cristiana unter der Last der Korruptionsskandale implodiert, das Gros der Aktivisten und Wähler hatte bei Silvio Berlusconi Zuflucht gefunden, nur ein kleiner Rest orientierte sich nach links, landete schließlich in der kleinen Partei Margherita, in der auch Renzi aktiv werden sollte.

In einer Partei, die die Rolle des ewigen Juniorpartners gepachtet hatte: Auf der Linken nämlich gaben die früheren Kommunisten der Democratici di Sinistra (DS – Demokratische Linke) den Ton an – und das galt erst recht für eine "rote Region" wie die Toskana. Erst in der Allianz, dann in der PD, zu der Margherita und DS 2007 fusionieren sollten, war diese Rollenverteilung klar: Die Ex-Kommunisten kommandierten, die früheren Christdemokraten durften die Stellvertreterpositionen besetzen. 

Doch dies war Renzis Sache nicht. Als Kommunalpolitiker wurde er in den eigenen Reihen schnell populär, weil er aggressiv die Interessen seiner Partei, seines Flügels vertrat. Mit Erfolg: Schon 2004 – da war er 29 Jahre alt – wird er zum Präsidenten der Provinz Florenz gewählt. Doch dieses Amt ist ihm bloß Sprungbrett für höhere Aufgaben. 2008 kandidiert er bei den PD-internen Vorwahlen für das Amt des Bürgermeisters von Florenz – eine Position, die die Ex-Kommunisten traditionell als für sich reserviert betrachteten. Renzi aber wagt den Frontalangriff gegen das Partei-Establishment unter dem Motto "jetzt sind wir dran" – wir, die jungen Unverbrauchten.