Neue Windräder im Wald? Nicht mit mir. Kürzungen der Ökostrom-Vergütung für Biomasse-Anlagen? Nein. Windstrom aus dem Norden für Süddeutschland? Auf keinen Fall.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mutierte in den vergangenen Wochen zum obersten Blockierer der Energiewende in Deutschland. Der Grund für seine Haltung ist so simpel wie egoistisch: die kommende Kommunalwahl. Bereits jetzt regt sich in den bayerischen Gemeinden Widerstand gegen neue Windräder. Zugleich setzen viele Landwirte in Bayern auf Strom aus Gülle und Holz. Wer wie Seehofer am 16. März auf ein gutes Wahlergebnisse hofft, will die eigenen Wähler nicht vorher verärgern.

Das Problem ist nur: Die Energiewende funktioniert nicht, wenn alle immer nur Nein sagen. Damit sie gelingt, braucht es einen gesamtdeutschen Plan und nicht weniger wichtig: Kompromisse. Es kann nicht sein, dass jedes Bundesland seine eigene Agenda verfolgt. Schleswig-Holstein kann nicht einfach Deutschland mit Windstrom vollpumpen und sich nicht um den Trassenausbau scheren. Und Bayern kann nicht einfach immer sagen: Wir machen Energiewende dahoam.

In all seiner Nein-Sagerei hat Horst Seehofer aber in einem Punkt Recht: Die bisherigen Pläne zum Stromnetzausbau müssen hinterfragt werden. Wie müssen Stromleitungen ausgelegt sein? Brauchen wir tatsächlich eine so große Stromautobahn quer durch Deutschland, wenn Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) doch gerade die Ausbaupläne für Windstrom an der Küste deckelt?

Seehofer denkt aber auch hier nur an seine Wähler in Bayern. Denn in den jüngsten Info-Veranstaltungen der Netzbetreiber zum Stromnetzausbau in Bayern wurden die Redner von wütenden Bürgern niedergebuht.

Auch bayrischer Ökostrom braucht neue Stromleitungen

Nun suggeriert Seehofer, die Bayern könnten auf neue Stromtrassen komplett verzichten. Das ist reichlich naiv. Bayern wird sich von der Entwicklung im restlichen Deutschland nicht abkoppeln können. Netzbetreiber Tennet schätzt beispielsweise, dass wegen des Atomausstiegs in zehn Jahren die süddeutschen Bundesländer rund ein Drittel ihres Energiebedarfs importieren müssen. Dafür wird es Stromleitungen brauchen – auch zum Abtransport des bayrischen Ökostroms.

Die Alternative wäre, dass Atomkraftwerke wie Grafenrheinfeld nicht im kommenden Jahr vom Netz gehen. Oder dass noch mehr fossile Kraftwerke gebaut werden. Das allerdings erzählt Seehofer seinen Wählern nicht.