Keine andere Institution des europäischen Krisenmanagements hat so viel Kritik, mitunter sogar Hass auf sich gezogen wie die Troika. In Athen bewegen sich die Vertreter von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) seit jeher nur mit Personenschutz. In Lissabon organisiert eine Bürgerinitiative den Protest unter dem Titel "Zum Teufel mit der Troika". Seit dieser Woche können sich die Kritiker sogar auf das Europäische Parlament berufen.

In Straßburg stimmten die Mitglieder des Wirtschafts- und Währungsausschusses (Econ) am Montagabend mehrheitlich für einen Bericht, der mit der Troika hart ins Gericht geht. Als unklar, intransparent und wenig demokratisch sei ihr Handeln wahrgenommen worden, heißt es dort. Die Annahmen, die den politischen Empfehlungen der Troika zugrunde lagen, seien oft zu optimistisch gewesen, die Vorgaben an die Programmländer zu detailliert. Die Maßnahmen, die die Krise bekämpfen sollten, hätten die soziale Ungleichheit in den betroffenen Ländern zumindest kurzfristig erhöht.

Harsche Kritik, die auch im Parlament nicht unwidersprochen bleibt. Die Troika für die Rezession und die hohe Arbeitslosigkeit in den Krisenländern verantwortlich zu machen, "sei dreist und absurd", empört sich etwa der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Gemeinsam mit den übrigen Unionsvertretern im Ausschuss stimmte er gegen den Bericht. Besonders verärgert sind die deutschen Konservativen darüber, dass ausgerechnet ein Fraktionskollege von ihnen, der Österreicher Othmar Karas (ÖVP), zu den Autoren zählt.

Hat die Sparpolitik die Krise verschärft?

Man muss das Urteil des Europaparlaments in diesem Fall tatsächlich nicht überbewerten. Zu eindeutig sind die politischen Absichten der Abgeordneten kurz vor der Europawahl. Dennoch spiegelt die Untersuchung eine Kritik, die immer lauter geworden ist, je länger die Krise dauert. Diese Kritik zielt in zwei Richtungen: Zum einen wird der Troika vorgeworfen, dass sie mit der von ihr empfohlenen Austeritätspolitik die wirtschaftliche Abwärtsspirale in Südeuropa verschärft habe. Zum anderen wird beklagt, die Troika – insbesondere der IWF – entziehe sich jeder demokratischen Kontrolle.

Stimmt das, ist die Troika das Instrument einer finsteren Macht – und an allem schuld?

So einfach, wie es die Kritiker glauben machen wollen, liegen die Dinge jedenfalls nicht. Um das Wesen der Troika zu erfassen, muss man noch einmal an die Umstände erinnern, unter denen sie die Arbeit aufnahm. Wie so vieles in der Krise war die Zusammenarbeit von EU-Kommission, IWF und EZB eine Improvisation. Eingesetzt wurde die erste Troika von den Regierungschefs der Euro-Gruppe, als im Frühjahr 2010 klar wurde, dass Griechenland nicht ohne fremde Hilfe auskommen würde – und die EU ihrerseits nicht ohne Hilfe von Dritten.