Eine zentrale Aufsichtsbehörde soll künftig alle wirtschaftlichen und finanziellen Belange des Vatikans überwachen. Das neue Wirtschaftssekretariat werde vom australischen Kardinal George Pell geleitet, teilte der Heilige Stuhl mit. Zudem soll es einen Wirtschaftsrat geben, der aus acht Klerikern und sieben weltlichen Experten bestehen wird, berichtet Radio Vatikan.

Das Sekretariat soll jährlich einen Haushaltsplan ausarbeiten und im Vatikan internationale Standards der Rechnungslegung und des Berichtswesens umsetzen. Weitere Ziele seien, die vorhandenen Finanzmittel besser zu nutzen und soziale Projekte zu stärken. Papst Franziskus zieht mit diesen Maßnahmen weitere Konsequenzen aus den Skandalen um die Vatikanbank.

Außerdem will der Papst einen Wirtschaftsprüfer ernennen, der alle Institutionen des Vatikans kontrollieren soll. Die für die päpstliche Güterverwaltung zuständige Abteilung Apsa werde zur Zentralbank umgewandelt. Der Status der Vatikanbank, früher als Institut für religiöse Werke (Instituto per le Operazione di Religione, IOR) bekannt, bleibe zunächst unverändert.

Es ist Franziskus' erste wichtige Entscheidung zur Reform der Kurie. Am Mittwoch hatten der Papst und eine Gruppe von acht Kardinälen dreitägige Beratungen beendet, in denen Experten Reformvorschläge für eine bessere Organisation der Finanzen gemacht hatten.

Der honduranische Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga sagte der französischen Zeitung La Croix, die Schaffung des Wirtschaftssekretariats sei nötig, um die verschiedenen Finanzabteilungen des Vatikans besser zu organisieren.

Versäumnisse und Skandale der Vatikanbank

Experten hatten dem Heiligen Stuhl vorgeworfen, den Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Steuerflucht nicht gerecht zu werden. Der frühere Vatikanbank-Chef Ettore Gotti Tedeschi musste wegen verdächtiger Millionen-Transfers zurücktreten. Wegen Geldwäscheverdachts froren italienische Ermittler auch Einlagen des Instituts ein, die sich auf Konten italienischer Banken befanden.

Im Sommer 2013 hatte der Papst eine Untersuchungskommission zur Prüfung der Geschäfte der Vatikanbank eingesetzt. Sie ist in den vergangenen Jahren von einer Reihe von Skandalen erschüttert worden. Unter anderem wurde ein Geistlicher mit engen Verbindungen zur Vatikanbank verhaftet, weil er angeblich 20 Millionen Euro von der Schweiz nach Italien schmuggeln wollte. Der Direktor der Bank, Paolo Cipriani, und sein Stellvertreter Massimo Tulli traten daraufhin zurück.

Im Oktober 2013 legte die Vatikanbank erstmals eine Jahresbilanz vor. Außerdem beschloss der Vatikan ein Gesetz für mehr Transparenz bei seinen Bankgeschäften.