Bisher lebte Uli Hoeneß in einem geräumigen Bauernhaus in Bad Wiessee am Tegernsee, doch wie es aussieht, muss er dieses bald gegen eine Gefängniszelle eintauschen: Hoeneß muss ins Gefängnis, dreieinhalb Jahre Haft lautet das Urteil in seinem Steuerprozess. Zwar will seine Verteidigung die Entscheidung anfechten und Revision einlegen, doch ob sie damit durchkommt, ist zweifelhaft. Und auch wenn noch nicht klar ist, welches Gefängnis den bald wohl berühmtesten Häftling Deutschlands aufnehmen wird, lässt sich über Hoeneß' Haftbedingungen schon einiges sagen. Denn der Alltag in deutschen Haftanstalten ist im Strafvollzugsgesetz (StVollzG) bundesweit einheitlich geregelt.

Bereits vor dem Urteil war viel von einem "Promi-Bonus" geschrieben worden, auf den Hoeneß würde bauen können. Einen solchen gibt es im Gesetz rein formal aber nicht. Das StVollzG behandelt alle Insassen gleich. 

Demnach werden Häftlinge in der Regel in Einzelzellen untergebracht. Eine Unterbringung von mehreren Insassen pro Zelle kommt nur vor, wenn ein Gefängnis überfüllt ist und die Straftäter nicht anders unterbringen kann. Der Bundesgerichtshof gibt als eine übliche Mindestgröße sechs bis sieben Quadratmeter pro Zelle vor. Um diesen Raum schöner zu gestalten, ist es den Gefangenen erlaubt, "in angemessenem Umfang" persönliche Wertgegenstände mitzubringen. So dürfte Hoeneß etwa ein Bild seiner Frau in der Zelle aufhängen.

Zur Kleidung stellt das Strafvollzugsgesetz fest: "Der Gefangene trägt Anstaltskleidung. Für die Freizeit erhält er eine besondere Oberbekleidung." Mit einer speziellen Genehmigung dürfen Häftlinge allerdings auch eigene Kleidung tragen – vorausgesetzt, sie sorgen für die Reinigung. Hoeneß wird also nicht den ganzen Tag im Gefängniskittel herumlaufen müssen, sondern kann auch andere Kleidungsstücke tragen.

Handyverbot gehört für Insassen dazu

Hoeneß' Anspruch auf Besuch hängt davon ab, in welchem Gefängnis er tatsächlich seine Strafe verbüßen müsste. Das Bundesgesetz sieht als Mindestanspruch eine Stunde pro Monat vor. Die Gefängnisleitung kann die Besuchszeiten in der Hausordnung jedoch ausweiten. Den Häftlingen steht es aber frei, jederzeit Kontakt per Brief zu Familie und Freunden aufzunehmen. Auch Telefongespräche sind ebenfalls begrenzt, Handys sind verboten.

Das Handyverbot wird übrigens häufig unterlaufen. So wurde etwa der ehemalige Bayern-Spieler Breno dabei erwischt, wie er mit einem geschmuggelten Handy mit seiner Frau telefonierte. Die Strafe: Fernseh- und Sportverbot.

Was die Verpflegung in Haft angeht, haben Gefangene wenig Spielraum. Sie müssen in der Regel mit der "Anstaltsverpflegung" vorlieb nehmen. Nur dreimal jährlich dürfen Freunde und Familie Pakete mit Nahrungs- und Genussmitteln schicken. Allerdings gibt es in jeder Justizvollzugsanstalt eine Art Supermarkt, in dem die Häftlinge Nahrungs- und Genussmittel sowie Mittel zur Körperpflege kaufen können.

Nach den ersten sechs Monaten in Haft dürfen die Insassen Urlaub machen, für den sie das Gefängnis verlassen dürfen. 21 Tage pro Jahr stehen einem Gefangenen zu.  

Am vergangenen Dienstag zog Hoeneß viele Blicke auf sich, als er beim Champions-League-Spiel seiner Bayern gegen Arsenal London auf der Tribüne saß. Auf dieses Live-Erlebnis wird Hoeneß in Zukunft wohl verzichten müssen, denn Gefangene dürfen zwar einen eigenen Fernseher in der Zelle haben – allerdings ist in der Regel der Bezahlsender Sky tabu. Insofern müsste Hoeneß jeden Samstag auf die Sportschau warten. Denn die Bundesliga wird in Deutschland nicht im Free-TV übertragen.