Vor zwei Jahren begann in Seoul eine große Erfolgsgeschichte für die Ukraine: Das Land verkündete auf dem damals in der südkoreanischen Hauptstadt tagenden Gipfel zur Atomsicherheit, es werde sein ganzes hochangereichertes Uran an Russland zurückgeben. Der Stoff hätte für den Bau mehrerer Atombomben gereicht. Inzwischen ist die Ukraine, einst eine der größten Atomnationen weltweit, ganz frei von hochangereichertem Uran und Plutonium – den Grundzutaten für ein Atombombe.   

Wenn sich in dieser Woche 53 Staats- und Regierungschefs im niederländischen Den Haag erneut zum Atomgipfel treffen, ist die Ukraine wieder Topthema. Aber diesmal steht das Treffen unter einem schlechten Stern. Der Konflikt um die Ukraine bringt das internationale Machtgefüge ins Wanken; die USA und Russland belauern sich gegenseitig. Dabei braucht US-Präsident Barack Obama, der 2009 die Atomgipfel initiierte, Russland als Partner für seine Abrüstungsstrategie. Schließlich sind die beiden Staaten noch immer die größten Atomnationen weltweit.

"Ohne die enge Kooperation zwischen Russland und den USA wäre das waffenfähige Material noch immer in der Ukraine", sagt Deepti Choubey von der Nuclear Threat Initiative aus Washington, einer Nicht-Regierungsinitiative, die sich für die internationale Friedenssicherung einsetzt und vom Medienunternehmer Ted Turner und dem Demokraten Sam Nunn gegründet wurde. Ohne Russland würde es schwer, die Mengen des waffenfähigen Materials weltweit zu kontrollieren und zu reduzieren. "Die Staaten dürfen jetzt nicht ihre Anstrengungen reduzieren", sagt Choubey. Die Gefahr sei noch lange nicht gebannt. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte am Montag in Den Haag, der Ukraine-Konflikt habe tiefgreifende Folgen für die Nichtverbreitung von Atomwaffen. 

Mit anderen Worten: Die Krim-Krise bremst die internationalen Abrüstungsbemühungen. Russland allerdings scheint sich für Abrüstung zurzeit kaum zu interessieren – und auch nicht so sehr für den Atomgipfel. Aus den USA reist Präsident Obama an und es kommen 52 weitere Staatschefs, darunter Kanzlerin Merkel und Chinas Präsident Xi Jinping. Moskau aber schickt bloß seinen Außenminister Sergej Lawrow zu dem hochrangigen Treffen.

Prestigeprojekt von Obama

Die Atomgipfel sind ein Prestigeprojekt von Präsident Obama. Ihr Ziel ist, die weltweite Gefahr von Terroranschlägen mit nuklearem Material zu verringern. Dazu will man die verfügbaren Mengen an hochangereichtertem Uran und Plutonium weltweit erfassen, besser schützen und am besten auch so weit wie möglich reduzieren. Die Staaten, die an den Gipfeln teilnehmen, müssen Auskunft über die Materialmengen geben und verpflichten sich, diese zu reduzieren und das Material fachgerecht zu entsorgen. Auf keinen Fall sollen hochangereichtertes Uran und Plutonium in die Hände von Terroristen gelangen, die es zum Bau von Bomben nutzen könnten.

Erstmals hatte Obama im Jahr 2010 zur National Security Summit geladen – da schüttelten er und der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew sich noch öffentlichkeitswirksam die Hände. "Obama hat es damals geschafft, das Thema auf die Agenda zu setzen und so Druck zu machen", sagt Choubey.

Und in der Tat, es gibt Erfolge: Noch Anfang der neunziger Jahre waren mehr als 50 Staaten weltweit in Besitz von waffenfähigem Atommaterial, an mehr als 100 Standorten. Nach Informationen der Nuclear Threat Initiative sind es heute nur noch 25 Staaten, der Großteil von ihnen bewache das Material effektiv.