Im Bundestagswahlkampf 2013 war das Betreuungsgeld bei den Grünen als "Herdprämie" verschrien, im Falle eines Wahlsieges versprach die Partei es "abzuschaffen". Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Die Grünen verloren die Wahl, das Betreuungsgeld blieb. Nun hat das Statistische Bundesamt erstmals Zahlen darüber herausgegeben, wie stark der Zuschuss von 100 Euro monatlich seit seiner Einführung im August 2013 genutzt wird. Die verhältnismäßig meisten Bezieher leben demnach ausgerechnet in Baden-Württemberg – also dem einzigen Bundesland, in dem die Grünen den Ministerpräsidenten stellen.

Im Südwesten kommen auf ein Kind, für das Betreuungsgeld gezahlt wurde, vier Kinder unter drei Jahren in Tageseinrichtungen. Anders gesagt: 20 Prozent der Eltern dort beantragen Betreuungsgeld, die restlichen 80 Prozent geben ihr Kind in eine Tagesstätte. Das visualisiert unsere Infografik vom Statistikprotal Statista, die auf den Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Betreuungsgeld beruht. Auf den Plätzen zwei und drei, was die relativ stärkste Beanspruchung des Zuschusses angeht, liegen Nordrhein-Westfalen und Bayern. Deutlich am Ende der Statistik liegt hingegen Sachsen-Anhalt. Dort stehen hinter jedem Kind, für das die Eltern zu Hause bleiben und Betreuungsgeld kassieren, rund 111 Kinder, die in Tagesstätten betreut werden. Nirgendwo sonst ist dieser Wert so hoch.

Die schwarz-gelbe Regierung hatte den Zuschuss von derzeit 100 Euro im Monat ab August 2013 beschlossen, im kommenden August soll er um weitere 50 Euro steigen. Laut Statistischem Bundesamt haben Eltern im Jahr 2013 knapp 65.000 Mal Betreuungsgeld beantragt. Die Opposition hatte die Leistung im Vorfeld hart kritisiert, weil es vor allem Mütter dazu animiere, daheim bei ihren Kindern zu bleiben und so einen Wiedereintritt ins Berufsleben erschwere. Die nun veröffentlichten Zahlen geben dem Vorwurf der "Herdprämie" neue Nahrung: In allen Bundesländern beantragen vor allem Mütter das Geld, ihr Anteil liegt stets über 90 Prozent.

Auch zwischen West und Ost ist ein Unterschied zu erkennen: In den alten Bundesländern wird das Betreuungsgeld relativ zu den Kindern in Tagesstätten deutlich häufiger beantragt. Im Osten hingegen nutzen nur sehr wenige Eltern den Zuschuss, in Mecklenburg-Vorpommern gingen beispielsweise nur 298 Anträge ein. Dort scheint man weiterhin auf Kindertagesstätten zu vertrauen.