Die EU-Kommission hat die enormen deutschen Exportüberschüsse gerügt und die Bundesregierung zum Gegensteuern aufgefordert. "Die Leistungsbilanz weist einen anhaltenden Überschuss auf sehr hohem Niveau aus", schrieb die Brüsseler Behörde in ihrer Analyse zu den wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Euro-Zone. "Das spiegelt eine hohe Wettbewerbsfähigkeit wider, ist aber auch ein Zeichen für ein anhaltend gedämpftes Binnenwachstum und dafür, dass Ressourcen nicht effizient eingesetzt werden."

Angesichts der Größe der deutschen Wirtschaft - sie ist Europas Nummer eins - sei eine Korrektur notwendig, schrieb die Kommission. Die Regierung müsse vor allem die Binnennachfrage ankurbeln. "Zentrale politische Herausforderungen sind daher höhere Investitionen", hieß es in dem Bericht. Das Angebot an Arbeitskräften müsse weiter gestärkt, die Effizienz in allen Bereichen der Wirtschaft gesteigert und der Dienstleistungssektor von Fesseln befreit werden.

Zwar sei der Überschuss Folge starker Wettbewerbsfähigkeit und nicht so riskant wie ein Außenhandelsdefizit, aber "die Größe und Fortdauer des Überschusses verdienen sehr genaue Aufmerksamkeit". Denn Deutschland verstößt gegen EU-Regeln: Der Außenhandelsüberschuss eines Landes darf im Durchschnitt von drei Jahren nicht über sechs Prozent liegen. Deutschlands Exportplus übersteigt seit 2006 diesen Wert - und wird dies der EU-Kommission zufolge auch bis mindestens 2015 tun. Sanktionen drohen Deutschland deswegen jedoch nicht.

Bundesregierung sieht kein Problem für die Euro-Zone

Die Bundesregierung wies die Kritik der EU-Kommission zurück. Man sehe in den deutschen Exportüberschüssen weiterhin kein Problem für die Euro-Zone. "Wir gehen nicht davon aus, dass die Kommission ein Risiko für die Euro-Zone [...] identifizieren wird", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass deutsche Exportüberschüsse den anderen Euro-Ländern schaden.

Seibert wies Darstellungen zurück, wonach die Bundesregierung inzwischen ihre Position in dem Streit geändert habe. "Es gibt keine grundsätzlich andere Haltung zu diesem Thema." Ähnlich äußerte sich das Wirtschaftsministerium. Die Süddeutsche Zeitung hatte unter Berufung auf ein internes Papier aus dem Ministerium berichtet, Berlin erkenne die hohen deutschen Exportüberschüsse erstmals als Problem an.

Im Jahr 2013 hat Deutschland Waren im Wert von rund 199 Milliarden Euro mehr exportiert als importiert. Das ist nicht nur der bislang größte Exportüberschuss der deutschen Geschichte, sondern auch der größte weltweit. Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zählen ihn zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, der für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich ist. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.