Die Europäische Kommission hat die Gespräche auf politischer Ebene über eine neue Gasleitung zwischen Russland und Südosteuropa ausgesetzt. Eine Sprecherin der Kommission sagte, man wolle zunächst die "breitere Entwicklung" in den Beziehungen zwischen Russland und der EU abwarten. Auf technischer Ebene gingen die Verhandlungen über die Pipeline jedoch weiter.

Die Leitung soll Russland über das Schwarze Meer mit Südosteuropa verbinden, ohne über die Ukraine zu laufen. Bulgarien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowenien, Österreich und Italien sollen auf diese Weise mit Erdgas versorgt werden. Nach derzeitiger Planung wird die Leitung von 2018 an bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas befördern.

Angesichts der Abhängigkeit Europas von Erdgas aus Russland forderte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk Deutschland auf, stärker auf andere Energiequellen zu setzen. Die europäische Souveränität sei gefährdet, sagte Tusk. Er werde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel darüber reden. Mehr Unabhängigkeit Deutschlands und Europas von russischem Gas könnte künftig aggressive Schritte Russlands abwenden.

"Keine Zeichen der Deeskalation"

Die EU hatte vergangene Woche aus Protest gegen das Vorgehen Russlands auf der ukrainischen Halbinsel Krim die Verhandlungen mit Moskau über Visa-Erleichterungen und ein Wirtschaftsabkommen ausgesetzt.

Am kommenden Sonntag könnten die EU-Außenminister bei einem Treffen in Brüssel Einreiseverbote und Kontensperrungen verhängen, hieß es in Diplomatenkreisen. "Wir sind beunruhigt über das Ausbleiben von Zeichen der Deeskalation", erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Die EU arbeite außerdem "sehr intensiv" an dem Verzicht auf Einfuhrzölle für Importe aus der Ukraine. Diese würden "sehr schnell" wegfallen, um dem Land wirtschaftlich zu helfen. Die angebotenen 1,6 Milliarden Euro Zahlungsbilanzhilfe sollten "in den nächsten Wochen" zur Auszahlung bereit sein, "sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind".