Es gibt zwei Bilder von Griechenland. Das eine ist fest verankert in der öffentlichen Wahrnehmung. Es zeigt Suppenküchen in Athen, die ein Heer von Arbeitslosen versorgen. Statistiken über die gestiegene Zahl von Griechen, die Selbstmord begehen, gehören dazu. Ebenso die Arbeitslosenquote, die bei rund 28 Prozent liegt und doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt der Euro-Zone. All das ist Griechenland. Es ist das eine Bild.

Über das andere Griechenland redet in Deutschland kaum jemand. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit kämpft sich das Land in kleinen Schritten aus der hartnäckigen Rezession heraus. Erstmals seit sechs Jahren soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent.

An den Börsen wird Griechenland als Geheimtipp gehandelt. Nach einem dramatischen Absturz in der Finanzkrise hat der Athener Leitindex seit Mitte 2012 mehr als 170 Prozent gewonnen. "In Griechenland sind deutliche konjunkturelle Fortschritte und Zeichen der Stabilisierung zu sehen. Das macht den Anlegern Mut, hier wieder ihr Geld anzulegen", sagt Franz Führer, Fondsmanager bei Lupus alpha. Auch die Ratingagentur Standard & Poor’s sieht Anzeichen für ein Wachstum. Wenn sich die Finanzminister der Euro-Gruppe an diesem Dienstag in Athen treffen, wollen sie weitere Hilfsmilliarden freigeben. Am Montag hatte dafür das Parlament weitere Arbeitsmarktreformen verabschiedet. Griechenland steht vor einem Mini-Comeback.

Zwischen Enttäuschung und Optimismus

Wer in diesem Land Geschäfte machen will, der bewegt sich ständig in einer Welt zwischen tiefer Enttäuschung und vorsichtigem Optimismus. Die Unternehmerin Britta Balden ist eine der wenigen in Athen, deren Geschäfte wirklich gut laufen. Vor elf Jahren gründete sie Retail Link, mit deren Hilfe Unternehmen Rechnungen nicht mehr nur auf Papier, sondern rein elektronisch verschicken können. Die Firmen würden nicht nur Geld sparen, erklärt Balden die starke Nachfrage. Auch die Regierung des notorisch korrupten Landes hoffe, dadurch die Steuerhinterziehung einzudämmen und unterstütze sie.

Balden, die aus dem schleswig-holsteinischen Bad Oldesloe stammt und mit einem Griechen verheiratet ist, hat sich einen imposanten Kundenstamm erarbeitet: Supermärkte und deren Zulieferer, Zementfabriken, Banken und Energiekonzerne wie Shell nutzen die Software der Firma, die nach eigenen Angaben in Griechenland inzwischen Marktführer ist.

18 Mitarbeiter arbeiten für die Deutsche, allein vier sind in den vergangenen zwei Jahren dazugekommen. Zwei weitere Mitarbeiter will Balden noch in diesem Jahr einstellen. Retail Link will jetzt ins Ausland expandieren, ausgerechnet auch in die Heimat der 48-Jährigen.