Es ist nicht bekannt, ob Uli Hoeneß sofort durchgestellt wurde, als er seinen Anwalt Hanns W. Feigen zum ersten Mal anrief.  Sollte der Bayern-Präsident in der Warteschleife gelandet sein, hat er dort das Lied Freiheit von Marius Müller-Westernhagen gehört. Der Song ist wohl als ein kleines Versprechen an alle Mandanten zu verstehen, die wie Hoeneß wegen Steuerhinterziehung vor Gericht stehen.

Hanns W. Feigen, Wirtschaftsanwalt aus Frankfurt, gilt als Experte für die ganz großen Namen: Er verteidigte Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel gegen den Vorwurf der Steuerhinterziehung, den früheren Porsche-Boss Wendelin Wiedeking vertritt er ebenso wie den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, mit dem er vor Gericht gegen die Kirch-Erben kämpft.

 

Ausgerechnet in seinen bisher populärsten Fall konnte sich Feigen allerdings nur knapp drei Monate einarbeiten. Er ist erst seit Dezember in Hoeneß' Anwaltsteam.

Als die Steuerhinterziehung von Hoeneß vor gut einem Jahr publik wurde, vertraute der Bayern-Präsident sein Schicksal zunächst einem alten Bekannten an: Werner Leitner, Anwalt aus München, der den FC Bayern München seit 2004 in Rechtsfragen vertritt. Leitner ist aber nicht nur Anwalt der Bayern ­– sondern auch deren Fan. So begleitete er die Mannschaft mit zum Halbfinale in der Champions League im Mai in Barcelona. Und bis kurz vor Weihnachten schien diese enge Bindung zum Verein auch niemanden zu stören.

Im Dezember überraschte Hoeneß jedoch mit der Ankündigung, den Verteidiger zu wechseln: Er halte es "für geboten, seine Privatangelegenheiten, zu denen das Steuerstrafverfahren zählt, strikt von seiner Tätigkeit" bei Bayern München zu trennen, teilte er mit. Leitner musste gehen, Hanns W. Feigen übernahm.

Anwaltwechsel: Feigen für Leitner

Neben der offiziellen Begründung für die Auswechselung gibt es allerdings noch eine andere Version, die auf den Gängen der Münchner Justiz erzählt wird: Demnach habe Hoeneß gemerkt, dass sein Anwalt Leitner der Verteidigung nicht gewachsen ist. Hoeneß habe den Glauben verloren, dass Leitner ihn vor dem Gefängnis bewahren kann – und zog die Reißleine.

Schon einmal hatte Leitner einen wichtigen Prozess verloren: Der Bayern-Profi Breno hatte im September 2011 seine Grünwalder Villa angezündet und musste sich dafür wegen Brandstiftung vor Gericht verantworten. Breno wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt – ein Urteil, das laut Experten nicht so hoch hätte ausfallen müssen. Sie werfen Verteidiger Leitner vor, dass Breno im Prozess nicht lang genug zu Wort kam.

Nun also Feigen. Er ist Taktiker ­und Dompteur: Auch vor seinem eigenen Mandanten macht er dabei nicht Halt. Am ersten Prozesstag etwa fiel er einem naiv vor sich hin redenden Hoeneß heftig ins Wort. "Herr Hoeneß, erzählen Sie keinen vom Pferd!", maulte er ihn an, als dieser erzählte, die Recherche des stern habe nichts mit der Selbstanzeige zu tun gehabt. Mit seiner Faust schlug er auf den Tisch. Kurz darauf bekam Hoeneß den zweiten Rüffel: "Herr Hoeneß, auf den Punkt! Sie haben sich doch verrannt", blaffte Feigen. Und Hoeneß verstummte, schüchtern lächelnd.