Hat Uli Hoeneß seine Steuerhinterziehung rechtzeitig und umfassend genug beim Finanzamt gebeichtet? Kann er eine Strafe abwenden oder muss der Präsident des FC Bayern wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ins Gefängnis? In München beginnt heute der Strafprozess gegen Hoeneß – 14 Monate nach seiner Selbstanzeige.  

Der Prozess ist vorerst nur auf vier Tage angesetzt. Vier Zeugen sollen gehört werden, bevor Richter Rupert Heindl womöglich schon am Donnerstag das Urteil verkünden wird. Das Gericht rechnet mit einem Ansturm von Journalisten und Schaulustigen. 22 Justizbeamte und 150 Polizisten sollen im Einsatz sein. "Ich kann nicht ausschließen, dass 100 kommen, es können aber auch 500 oder 5.000 sein", sagte der Präsident des Landgerichts München II, Christian Schmidt-Sommerfeld. Die 49 Presseplätze im Gerichtssaal waren innerhalb weniger Sekunden nach Beginn der Anmeldefrist schon vergeben.

Am Vorabend des Steuerprozesses bekam Hoeneß allerlei prominente Unterstützung: Bayern-Aufsichtsrat Edmund Stoiber betonte seine zentrale Rolle für den deutschen Fußball-Rekordmeister. "Er ist für uns alle in dieser Situation unverzichtbar, gerade jetzt in den schwierigen Zeiten", sagte der frühere bayerische Ministerpräsident in der ARD-Sendung Günther Jauch am Sonntagabend. Auch Franz Beckenbauer hofft auf ein mildes Urteil: "Ich kann nur hoffen, dass es gut für ihn ausgeht und das Gericht sich von seiner menschlichen Seite zeigt. Der Uli ist ein wunderbarer Mensch", sagte Beckenbauer am Sonntagabend im TV-Sender Sky.

Uli Hoeneß - Bayern München ist ohne Hoeneß schwer vorstellbar

Hoeneß hatte angekündigt, "gut vorbereitet" vor Gericht zu erscheinen. Er hofft auf ein mildes Urteil. Die Hoeneß-Affäre hatte in den vergangenen Monaten die Debatte über den Umgang mit prominenten Steuersündern befeuert. Während sich Hoeneß heftiger Kritik ausgesetzt sieht und die große Koalition in Berlin an schärferen Gesetzen arbeitet, stärkten Fans und Sponsoren des FC Bayern Hoeneß demonstrativ den Rücken.  

Steuergewerkschaft rechnet mit Selbstanzeigen durch Prozess

Der Steuer-Prozess gegen den Bayern-Präsidenten dürfte die Zahl der Selbstanzeigen erhöhen. Die Deutsche Steuergewerkschaft rechnet gar mit einer Flut neuer Selbstanzeigen von Steuersündern. "Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren 60.000 bis 120.000 Selbstanzeigen gestellt werden", sagte der Bundesvorsitzende Thomas Eigenthaler, der Welt am Sonntag. In den vergangenen vier Jahren sind rund 60.000 Selbstanzeigen bei den Finanzämtern eingegangen, fast die Hälfte davon im vergangenen Jahr.

Falls das Gericht Hoeneß' Selbstanzeige doch noch anerkennt, käme er mit einer Geldbuße davon.

Die Anklageschrift wurde bis zum Prozessbeginn unter Verschluss gehalten. Weder Staatsanwalt Achim von Engel als Vertreter der Anklage noch die drei Verteidiger von Hoeneß äußerten sich im Vorfeld des Prozesses.