Uli Hoeneß war immer bekannt für den lauten Auftritt. Für Abteilung Attacke. Für klare Worte und cholerische Ausbrüche. Nun übt er zum ersten Mal den leisen Auftritt – wortlos, in einem dunklen Anzug mit weinroter Krawatte kommt er mit seinen drei Verteidigern in den Gerichtssaal. Schüchtern wirkt er auf einmal. Brav. Und nach einiger Zeit sitzt der Präsident des FC Bayern München wie ein Schulbub auf seinem Stuhl. Es ist zwar ein Stuhl, aber eigentlich ist es eine Anklagebank. Und das merkt man am ersten Prozesstag gegen Bayern-Boss Hoeneß.

Als Staatsanwalt Achim von Engel die Anklage verliest, wird klar, dass es ein harter Kampf wird für Uli Hoeneß. Die Vorwürfe des Anklägers sind noch schlimmer als bisher bekannt. Uli Hoeneß soll über sein Konto bei der Schweizer Vontobel-Bank rund 3,5 Millionen Euro hinterzogen haben. Davon war schon viel zu lesen. Dazu soll er aber in den Jahren 2003 bis 2009 mehr als 5,5 Millionen Euro an Verlustvorträgen falsch deklariert haben.

Nach der Verlesung der Anklage äußert sich erst Hoeneß' Verteidiger Hanns W. Feigen. Zuerst deutlich zugunsten seines Mandanten: "Wir sitzen alle hier, weil Herr Hoeneß am 17. 1. 2013 Selbstanzeige erstattet hat." Sonst wäre alles im Sande verlaufen, ist er überzeugt. Doch dann kommt noch ein Hammer, der deutlich zuungunsten von Hoeneß ausfällt: Die Steuerhinterziehung liege deutlich über 15 Millionen Euro.

Das Gericht hat erst vor wenigen Tagen neue Bankunterlagen von Hoeneß und seinen Verteidigern bekommen. Es habe viele Monate gedauert, bis alle Unterlagen aufgearbeitet und zusammengefasst waren. Es soll sich um eine "immense Zahl" von Belegen gehandelt haben. 

Hoeneß hat eine Erklärung vorbereitet, die er selbst verliest. Darin gesteht er alles und gibt den reuigen Steuersünder: "Hohes Gericht, die mir in der Anklage zur Last gelegten Steuerstraftaten habe ich begangen", sagt er, "mit anderen Worten: Ich habe Steuern hinterzogen." Ihm sei bewusst, dass auch seine Selbstanzeige daran nichts ändere. Er habe aber gehofft, dadurch einer Strafverfolgung zu entgehen.

Er berichtet von dem Konto. Unterm Strich hätten sich die Spekulationen gar nicht gelohnt, denn die Jahre 2003 bis 2009 habe er im Ergebnis mit einem Millionenverlust abgeschlossen. "Das bedeutet aber nicht, dass ich auf die Spekulationsgewinne keine Steuern bezahlen muss." Denn die Gewinne und Verluste ließen sich steuerlich nicht ohne Weiteres miteinander verrechnen.