Hanns Feigen macht gerne mal einen kleinen Scherz. In diesen Tagen trifft er damit vor dem Münchner Landgericht einen Mann, der darüber herzlich wenig lachen kann. Es ist Uli Hoeneß, Feigens eigener Mandant. "Ich bin Jurist, kein Spekulant", juxt der Frankfurter Steueranwalt. "Jedenfalls kann ich das nicht so gut – oder so schlecht."

Der Spruch des Frankfurter Rechtsanwalts bezieht sich auf etwas, was Hoeneß selbst offenbar jahrelang nicht komplett verstanden hat – oder nicht verstehen wollte. Denn nach eigenen Angaben machte der Bayern-Präsident mit seinen Spekulationsgeschäften unterm Strich ein Minus. Hoeneß jonglierte mit Millionen, machte zeitweise unvorstellbare Gewinne und verlor das Geld in weiten Teilen offenbar wieder. Der Laie kommt an diesem Punkt nur noch schwer mit. Wie konnte Hoeneß eine Steuerschuld von mehr als 27 Millionen Euro aufbauen, wenn er mit seinem Schweizer Konto in den Miesen war?

Eine Antwort lässt sich in den Untiefen des deutschen Steuerrechts finden. Das ist eines der kompliziertesten der Welt, die Fachliteratur füllt ganze Bibliotheksräume. Auch bei der Besteuerung von Finanzgeschäften hat der Staat einen Wust an Regeln geschaffen, der selbst den Fachmann nicht mehr durchblicken lässt. Das ist natürlich keine Entschuldigung für Steuerhinterzieher. Aber intime Kenner der Materie sagen, Privatpersonen hätten bei Anlage-Konstruktionen wie im Fall Hoeneß "keinerlei Chance" eine korrekte Steuererklärung abzugeben. "Das lässt sich auch gar nicht mehr in die amtlichen Vordrucke eintragen", ist etwa Michael Weber-Blank überzeugt, der bei Brandi Rechtsanwälte die Abteilung Steuerstrafrecht leitet.

Mehr als 150 Millionen Euro auf dem Konto

Hoeneß türmte der Steuerfahndung zufolge ein gewaltiges Vermögen auf. Auf dem Konto 4028BEA bei der Züricher Vontobel-Bank, das im Mittelpunkt der Verhandlung steht, lagen nach Darstellung von Hoeneß ursprünglich 20 Millionen Mark. Dieses Geld vermehrte der Bayern-Boss sprunghaft – auf zeitweise mehr als 150 Millionen Euro, wie eine Beamtin vor dem Münchner Landgericht erklärte. In manchen Jahren machte der Fußball-Manager demnach kaum vorstellbare 30 Millionen Euro Gewinn. Allerdings verließ ihn das Glück wieder: Nach 2006 ging es abwärts. "Ende 2010 ist nicht mehr sehr viel von den Gewinnen da", sagte die Beamtin. An diesem Punkt machte Hoeneß einen Denkfehler – zumindest stellt er es vor dem Gericht so dar. Er habe so viele Verluste mit seinem Konto in der Schweiz gemacht, dass er geglaubt habe, nichts an den Fiskus zahlen zu müssen: "Ich hatte das Gefühl, dass ich steuerlich kein Problem habe", zitiert ihn die SZ. Doch die Verluste ändern nichts an seiner Steuerschuld. Im Steuerrecht kann man über die Jahre Miese machen – die zwischenzeitlichen Gewinne müssen dennoch versteuert werden.

Hoeneß schleuste Einkommenssteuer am Staat vorbei. Diese Steuer ist im deutschen Recht in sieben Unterarten aufgefächert: Für Hoeneß sind laut Anklage die Kapitalertrags- und die Spekulationssteuer entscheidend. Der Bayern-Boss tätigte vor allem sogenannte Devisentermingeschäfte. Bei diesen hochriskanten Deals erwirbt man das Recht, eine Währung nicht heute, sondern zu einem bestimmten Kurs in der Zukunft kaufen oder verkaufen zu können. Die Differenz – sei es Gewinn oder Verlust zum zukünftigen Kurs – bleibt beim Spekulanten. Bei Termingeschäften lassen sich schnell große Summen erzielen – genauso schnell können sich aber auch enorme Verluste anhäufen.