Wenn Tim Draper eine Möglichkeit sieht, die Dinge zu verbessern, dann tut er es. Zum Beispiel das Bildungssystem. Weil die Universitäten im Land seiner Meinung nach dem Nachwuchs nicht genug Unternehmergeist einflößten, gründete der amerikanische Investor kurzerhand seine eigene. An der Draper University of Heroes im kalifornischen San Mateo bekommen die Studenten seit vergangenem Jahr für 9.500 Dollar in acht Wochen das Rüstzeug, das es für den nächsten Mark Zuckerberg oder Bill Gates braucht.

Vor dem Porträt des Microsoft-Gründers treten sie jeden Morgen an, um der "Freiheit um jeden Preis" die Treue zu schwören. Statt mit einem Diplom werden sie am Ende mit einem Superhelden-Cape verabschiedet. "Ein Space-Camp ohne Raketen" nannte das New York Magazine das Experiment.

Auch sein neuester Plan ist ähnlich ambitioniert wie eine Raumfahrtmission. Draper will Kalifornien in sechs eigenständige Bundesstaaten aufteilen. Mit seinen knapp 38 Millionen Einwohnern sei der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat in seiner jetzigen Form schlicht unregierbar geworden, sagte der Wagniskapitalgeber zum Start seiner Initiative im Dezember. Der Staat brauche weniger Regierung, mehr Eigenverantwortung und die einzelnen Regionen dringend einen Neustart.

Wer Veränderung ablehnt, ist Sozialist

Vor wenigen Tagen bekam Draper die Erlaubnis, für den Plan Unterschriften zu sammeln. Bekommt er bis Mitte Juli 807.000 Unterstützer zusammen, stimmen die Wähler im November in einem Referendum über den Vorschlag ab. "Kalifornien so zu lassen wie es ist, wäre ein Verbrechen", sagt der 55-Jährige.

Tim Draper, ein großer breitschultriger Kalifornier mit markanten Augenbrauen und einem Harvard-Diplom, liebt es, in andere Richtungen zu denken als andere. Selbst wenn ihm dabei niemand folgt. Für Langsamkeit hat er kein Verständnis, Gespräche langweilen ihn schnell. Er sei jemand, schrieb die Website Valleywag, "der seine etwas dümmlichen Ideen todernst nimmt". Alle paar Wochen, sagte er selbst einmal in einem Interview, habe er eine neue Geschäftsidee. Auf eine davon, wie das Unternehmer tun müssten, habe er sich nie festlegen wollen. Und: Er hat das nötige Geld, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.

Draper ist ein Wagniskapitalgeber in der dritten Generation und einer, der fest an die Wunder des Silicon Valley glaubt. Egal, worüber er spricht, immer taucht darin das gängige Vokabular der Branche auf: "innovation", "disruption", "dreams" – erneuern, aufbrechen und vor allem: träumen. Wer nicht für "disruption" oder "change" ist, der ist in Drapers Welt schnell für Sozialismus.