Die US-Einlagensicherung FDIC verklagt die Deutsche Bank und 15 weitere Geldhäuser wegen Zinsmanipulationen. Die staatliche Behörde wirft den Finanzkonzernen vor, den Interbanken-Zinssatz Libor unerlaubt beeinflusst zu haben. Der Zinssatz bestimmt maßgeblich, zu welchen Konditionen Banken untereinander Geld verleihen.

Die Manipulationen hätten zu sehr großen Einbußen bei 38 Banken geführt, die im Zuge der Finanzkrise abgewickelt wurden, teilte die FDIC mit. Die Einlagensicherung ist selbst davon betroffen, weil sie Verluste der gescheiterten Banken übernehmen musste. Wie hoch der geforderte Schadensersatz ist, geht aus der in New York eingereichten Klage nicht hervor.

Die betroffenen Banken waren für eine Stellungnahme zur neuen Klage zunächst nicht bereit oder nicht zu erreichen. Wegen der Manipulationsvorwürfe wurden gegen sie bereits mehrere Schadensersatzklagen angestrengt. Viele davon wurden im vergangenen Jahr vor Gericht zurückgewiesen. Die FDIC-Klage wird von Experten jedoch als aussichtsreicher bewertet, weil sie sich auf Vertragsbruch beruft und nicht wie die meisten Klagen bisher auf das Kartellrecht. "Es sieht so aus, als hätten diese Forderungen vor Gericht eine deutlich bessere Chance", sagte Daniel Brockett, ein Rechtsanwalt, der selbst bereits Klagen wegen der Libor-Affäre eingereicht hat.

Mehrere Institute, darunter die Großbank UBS aus der Schweiz und Barclays aus Großbritannien, haben nach Ermittlungen in den USA und Europa insgesamt sechs Milliarden Dollar an Geldbußen gezahlt. Die Deutsche Bank musste nach einem Vergleich mit der Europäischen Kommission eine Kartellstrafe in Höhe von 725 Millionen Euro bezahlen.

Von dem Referenzsatz Libor hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar ab. Zu den Instituten, die der FDIC nun des Vertragsbruchs beschuldigt, gehören neben der Deutschen Bank unter anderem auch die Großbanken UBS und Credit Suisse, sowie Barclays, die Bank of America, die Citigroup und JPMorgan Chase. Auch die ehemalige nordrhein-westfälische Landesbank WestLB steht auf der Anklageliste. Die Bank, die im Zuge der Finanzkrise hohe Verluste anhäufte, existiert heute nicht mehr. Sie wurde im Juni 2012 in drei Teile aufgespalten. Ihr Rechtsnachfolger ist der Finanzdienstleister Portigon.